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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:hbz:385-11581
URL: http://ubt.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2018/1158/


Veränderbarkeit und Stabilität psychischer und psychophysiologischer Merkmale von Essstörungen im Rahmen einer psychosomatischen Rehabilitation

Psychological and psychophysiological characteristics of eating disorders before and after inpatient treatment

Pika, Carina

pdf-Format:
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SWD-Schlagwörter: Essstörung , Herzfrequenzvariabilität , Rehabilitation , Therapie
Freie Schlagwörter (Deutsch): Ecological Momentary Assessment
Freie Schlagwörter (Englisch): Eating disorder, heart rate variability, therapy, ecological momentary assessment
Institut: Psychologie
Fakultät: Fachbereich 1
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Schächinger, Hartmut (Professor Doktor)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.05.2018
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum: 08.08.2018
Kurzfassung auf Deutsch: Theoretischer Hintergrund: Essstörungen sind schwere psychische Störungen, welche aufgrund ihrer Komplexität, der hohen Mortalitätsrate sowie häufiger Chronifizierungen zu den Herausforderungen für Therapie und Forschung zählen. Die Herzratenvariabilität, als Indikator autonomer Regulation, scheint insbesondere bei Anorexie-Patientinnen zu Gunsten einer höheren parasympathischen Aktivität verschoben. Dieser Befund lässt sich anhand des Model Of Neurovisceral Integration erklären: Gemäß dieses Modells stellt eine erhöhte Herzratenvariabilität einen Hinweis für erfolgreiche Selbstregulation dar. Letztere scheint für restriktives Essverhalten essentiell, während sie bei impulsiven Verhaltensweisen wie Essanfälle und Erb-rechen reduziert sein sollte. Die bisherige Studienlage zur Herzratenvariabilität bei Essstörungen ist aufgrund der begrenzten Anzahl der Studien, der geringen Stichprobengrößen und Nicht- Berücksichtigung sinnvoller Drittvariablen jedoch noch inkonsistent und oftmals widersprüchlich.
Neben der physiologischen Komponente werden in der Essstörungssymptomatik Veränderungen im kognitiven und emotionalen Erleben beschrieben. Zur Untersuchung beider Konstrukte erweisen sich Methoden des Ecological Momentary Assessment als aufschlussreich, da hierbei das Verhalten im Alltag der Patienten erhoben wird. Die bisherige Literatur zeigte bislang eine gute Anwendbarkeit der Methodik bei Essstörungspatienten, wobei die Anzahl der Studien gering ist. So fehlen bislang Studien, welche Emotionen und Kognitionen in Bezug zu Mahlzeiten und Sättigungsempfindungen setzen, obgleich solche Zusammenhänge in der kognitiven Verhaltenstherapie als zentral angesehen werden.
Methode: Zu Beginn einer stationären psychosomatischen Behandlung wurden bei N=51 Probandinnen (Anorexia Nervosa: 19, Bulimia Nervosa: 15, gesunde Kontrollgruppe: 17) zeit- und frequenzanalytische Parameter der Herzratenvariabilität unter Berücksichtigung des Alters und des BMI in einer standardisierten fünfminütigen Laboruntersuchung untersucht. Am selben Tag fand außerdem eine stündliche Erhebung von Essverhalten, essstörungsspezifischen Kognitionen und negativen Emotionen mittels Smartphone statt. Am Ende der Behandlung wurde die Untersuchung wiederholt. Allgemein lineare Modelle wurden ebenso wie Mehrebenenmodelle zur statistischen Überprüfung der Hypothesen eingesetzt.
Ergebnisse: Anorexie-Patientinnen zeigten tendenziell eine höhere parasympathische Aktivität als gesunde Probandinnen. Im Vergleich zu den beiden anderen Gruppen wiesen Bulimie-Patientinnen die niedrigste HRV auf. Antidepressiva führten zu einer Verringerung der HRV, genauso wie bei Anorexie-Patientinnen die Krankheitsdauer. Zusammenhänge mit erlebten Essanfällen konnten nicht festgestellt werden. Im Therapieverlauf zeigte sich, dass sich bei Anorexie-Patientinnen die HRV nach erfolgreicher Gewichtszunahme signifikant verringerte. Des Weiteren zeigten Essstörungspatientinnen höhere Ausprägungen in essstörungsspezifischen Kognitionen und negativen Emotionen während des Messtages. Mahlzeiten führten zu einer Verschlechterung der Stimmung, insbesondere bei restriktiven Anorexie-Patientinnen. Das Sättigungsempfinden einer Mahlzeit hatte einen signifikanten Einfluss auf die Bewertung dieser bei der klinischen Stichprobe, nicht jedoch bei gesunden Probandinnen. Am Ende der psychosomatischen Behandlung zeigte sich eine deutliche Verbesserung der essstörungsspezifischen Kognitionen und Mahlzeit-Bewertungen. Mahlzeiten hatten überdies einen geringeren Einfluss auf die Stimmung als zu Behandlungsbeginn.
Diskussion: Die Auffälligkeiten im psychischen und physiologischen Bereich bei Essstörungspatientinnen sind Ausdruck eines vielschichtigen Krankheitsbildes, welches jedoch durch intensive Therapieangebote veränderbar ist. Das Hinzuziehen sinnvoller Drittvariablen erscheint bei Untersuchungen zur Herzratenvariabilität bei Essstörungspatienten essentiell. Darüber hin-aus zeigt die vorliegende Studie erstmals Zusammenhänge zwischen Mahlzeiten, Sättigungsempfinden und Essstörungssymptomatik mittels Ecological Momentary Assessment. Diese Methodik bietet einen inkrementellen Nutzen in der Erhebung verhaltensnaher Therapieerfolge. Resultierende Therapieansätze und Implikationen der Studie werden aufgezeigt.
Kurzfassung auf Englisch: Background: Eating disorders are considered severe mental disorders. Since they are highly complex, comprise a high mortality rate and are frequently chronified, eating disorders constitute a challenge for both psychotherapy and clinical research. As indexed by an increased heart rate variability (HRV), patients with Anorexia Nervosa show higher parasympathetic activation. According to the Model Of Neurovisceral Integration, such findings indicate someone’s increased ability of self-regulation. In turn, self-control seems pivotal for restrictive eating. Furthermore, impulsive behaviour, ie binges and vomiting, should be associated with decreased self-regulation and HRV. At present, empirical research of eating disorders and heart rate variability remains inconsistent and contradictory, because of a limited number of studies, small sample sizes as well as a lacking consideration of confounding variables.
In addition to the physiological dimension, eating disorders are associated with altered cognitive and emotional experiences. In order to examine such constructs, methods of the Ecological Momentary Assessment (EMA) are valuable. These methods offer the opportunity to focus on the patients’ behaviour in day-to-day life. The current literature underlines the method’s applicability on patients with eating disorders. Yet, the amount of studies is limited. In this regard and although being considered pivotal in cognitive behavioural therapy, studies examining the relationship between eating behaviour, satiety, emotions and cognitions are missing.
Method: N=34 in-treatment patients (Anorexia Nervosa: 19, Bulimia Nervosa: 15) and 17 healthy controls underwent a standardised, five minute laboratory assessment of time- and frequent analytic parameters of HRV, including age and BMI as covariates. At the same day subjects assessed hourly their eating behaviour, cognitions concerning eating, and negative emotions. Both examinations were repeated at the end of treatment. Statistical analyses included general linear models as well as multi level models.
Results: Compared to controls, Anorexia nervosa showed a slightly higher parasympathetic activation. Bulimia nervosa had a significantly lower HRV than both other groups. Antidepressant treatment lowered HRV as well as illness duration for Anorexia Nervosa. Binges did not result in alternations of HRV. After weight gain parasympathetic activation decreased in subjects with Anorexia Nervosa. Patients with eating disorders showed higher levels of eating disorder thoughts and negative emotions. Meals resulted in a further decline in negative emotions in eating disorders patients, especially in restricted Anorexia Nervosa. Satiety influenced the meal’s evaluation only for eating disorder patients. After treatment, eating disorder thoughts and meal evaluations improved. Negative emotions were less influenced by food consumption.
Discussion: The found abnormalities in psychological and physiological variables confirm the complexity of eating disorders. However, intensive therapy programs can be successful treatments. Considering reasonable covariats is pivotal to examine HRV. In addition, this study is the first study revealing a relationship between satiety, emotions and cognitions using EMA. The implementation of EMA provides an incremental value in identifying behaviour-related therapy effects. Resulting treatment approaches as well as implications of the study are discussed.

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