Suche   SiteMap
Home
A bis Z
BIB-KAT
Andere Bibliothekskataloge
Digitale Medien
Dokumentlieferung
Fachspezifische Informationen
Suchhilfen und Datenbanken
 
Eingang zum Volltext in OPUS

Hinweis zum Urheberrecht

Dissertation zugänglich unter
URL: http://ubt.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2006/366/


Von den Rändern her gelesen - Analysen und Kommentare zur Funktionalität der Dimension ,Natur' im novellistischen Œuvre Clara Viebigs

Analysis and commentary on the functionality of nature in Clara Viebig's novellas

Hoffmann, Anke Susanne

pdf-Format:
Dokument 1.pdf (869 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
SWD-Schlagwörter: Novelle , Viebig, Clara , Naturalismus / Literatur / Deutsch , Natur <Motiv>
Freie Schlagwörter (Englisch): Novella , Naturalism , Nature , Viebig, Clara
Institut: Germanistik
Fakultät: Fachbereich 2
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Guntermann, Georg (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 04.05.2006
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 17.05.2006
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Arbeit analysiert ausgehend von der Funktionalität der Dimension ,Natur‘ zum einen die Dramaturgie der Viebig'schen Novellen und zeigt zum anderen die zentralen diskursiven Felder auf, welche die Autorin aufgreift und zum literarischen Interdiskurs ausarbeitet. Weiterhin will diese Studie dazu beitragen, die Leistung der die Natur schildernden Passagen für das novellistische Œuvre Clara Viebigs über die literaturgeschichtlichen Kategorien Naturalismus und Heimatkunst hinaus neu zu überdenken.
Zunächst bleibt festzustellen, dass die Bewertung der Dimension ,Natur‘ als heimatkünstlerisches Element oder gar Hommage an eine bestimmte Region zu kurz greift und der Leistung dieser Kategorie, die ein Hauptkriterium des literarischen Schaffens Viebigs darstellt, nicht gerecht wird. Denn Natur ist in Viebigs Werk vor allem ästhetische Kontrafaktur, die Elemente verschiedener Schreibtechniken der Jahrhundertwende in sich vereinigt. Viebigs Umgang mit Natur ist ein besonderer: Sie radikalisiert den Gebrauch der literarischen Landschaft sowohl auf der dramaturgischen als auch auf der expressiven Seite. Die Dimension ,Natur‘ präsentiert sich im Werk Clara Viebigs als polyvalentes Medium, das in den Dienst der Novellendramaturgie und der narrativen Inhalte gestellt wird. Als dramaturgisches Element ist Natur viel mehr als Kulisse, Tableau, Setting oder sentimentales Stimmungsbild. Neben der traditionellen Strukturierung von Raum und Zeit weist die Autorin der Kategorie ,Natur‘ einen festen Platz im fiktiven Figurentableau zu, lässt diese zum Mitspieler, zum Gegenspieler, zur Neben- und Hauptfigur des fiktiven Geschehens werden. Als ,gestimmter Raum‘ fungiert Natur außerdem als vermittelndes und verstärkendes Medium für Emotionen und Verhalten der menschlichen Figuren. Auch zur Erreichung der novellentypischen Konzentrierung des Epischen wird sie in die Pflicht genommen. Die Kategorie ,Natur‘ wird von Clara Viebig ganz bewusst in der Novellenhandlung platziert und ist somit ein konstitutiver Teil und nicht etwa eine ,funktionslose Pause‘ in der Textkomposition. Neben diesen erzähltechnischen Aufgaben übernimmt Natur auch für die inhaltlich-expressive Seite der Texte eine gewichtige Funktion. Für das novellistische Œuvre Clara Viebigs konnten ausgehend von der Dimension ,Natur‘ vier zentrale diskursive Felder herausgearbeitet werden. Das erste Feld befasst sich mit dem von naturmythischen, pantheistischen Ideen und biologistisch-evolutionstheoretischen Gedanken beeinflussten Konzept der allmächtigen Naturgewalt, der ,magna mater‘ respektive der ,mater omnium‘. Einen zweiten Schwerpunkt bildet das zumeist weibliche Verlangen nach individueller Entfaltung und selbstbestimmter Lebensführung. Fluchtbewegungen, ob räumlich, zeitlich, real oder imaginiert, haben Clara Viebig in ihrem Früh- wie in ihrem Spätwerk beschäftigt und bilden einen dritten inhaltlichen Schwerpunkt. Ein weiterer zentraler Wert, der Clara Viebig in all ihren Schaffensperioden beschäftigt hat, ist die Idee oder das Gefühl ,Heimat‘. In ihren Texten präsentiert sich diese Denkform in einer Vielzahl von Facetten. Die Autorin bedient sich der Inhalte des gesellschaftlichen Heimatdiskurses ihrer Zeit und kreiert aus diesen einen eigenen literarischen Interdiskurs mit verschiedenen zum Teil disharmonischen Bedeutungsseiten. Felder übergreifend setzt sich Clara Viebig mit Themen rund um Weiblichkeit und Mutterschaft auseinander.
Clara Viebig hat in ihren Novellen nicht nur unterschiedliche literarische Strömungen, wobei Naturalismus und Heimatkunst als prägendste Stilkomponenten und Gegensätze zu nennen sind, verarbeitet, sondern ebenso an zahlreichen gesellschaftlichen, ideologischen und literarischen Diskursen teil genommen und diese literarisch umgesetzt. Stets war sie an aktuellen Themen und Problemen interessiert und hat diese in ihrer Prosa, nicht immer eindeutig, diskutiert. Ausgehend von der Dimension ,Natur‘ zeigt der Blick auf Viebigs Werk, dass nicht etwa ein eindimensionales, sondern ein mehrdimensionales und ambivalentes Weltbild, in dem sich Charakteristika einer Vielzahl literarischer wie ideologischer Strömungen vermischen, vermittelt wird.
Letztlich bleibt zu konstatieren, dass die Dimension ,Natur‘ im Novellenkonzept Clara Viebigs einen textkonstitutiven Mehrwert entfaltet, ohne den weder die Textdramaturgie noch die narrativen Inhalte bestehen können. Natur ist demnach als funktionale, Form und Inhalt konstituierende Kategorie das entscheidende Kriterium in Clara Viebigs Novellenwerk.
Kurzfassung auf Englisch: Focussing on the functional dimension of 'nature', this thesis both analyses the dramaturgy of Clara Viebig's novellas and identifies the central discoursive fields taken up and elaborated on in literary interdiscourse by the author. Furthermore, this study wants to contribute to a reevaluation of the accomplishments of the sections describing natural scenery in Viebig's novellas that goes beyond the literary categories of naturalism and Heimatkunst.
Firstly, it should be noted that the assessment of 'nature' as heimatkunst, or even as an homage to a certain geographical region is insufficient and does not do justice to the accomplishments of this main criterion of Viebig's literary work, wherein it serves as aesthetic contrafacture combining elements of various writing techniques used around the turn of the century. Viebig's handling of nature is a special one: she radicalises the use of literary landscapes both dramaturgically as well as expressively. In Viebig's works, 'nature' presents itself as a polyvalent medium serving the novella's dramaturgy and its narrative content. As a dramaturgical element, nature is much more than just a backdrop, setting, or sentimental ambience. Besides the traditional structuring of space and time, the author uses 'nature' as a fixed member in the fictional cast, as an actor or antagonist, in major or minor roles. As 'ambient space', nature is also transporting and intensifying the emotions and actions of the human characters. It is also instrumentalised in the concentration of the epic aspect typical of novellas. Viebig consciously places the category of 'nature' into the plot; it therefore becomes a constitutive part and not just a 'functionless break' within the textual composition.
Besides these storytelling functions, 'nature' also assumes important tasks regarding content and expressivity. For Viebig's novellas, four central discoursive fields are derived from the dimension of 'nature'. The first is influenced by natural mystic, pantheistic ideas and biologistical, evolutionary thoughts and is concerned with the concept of the almighty forces of nature, the 'magna mater' or 'mater omnium'. The second field is the – mostly female – desire for individual development and a self-determined way of life. The act of escaping, be it spatial or temporal, real or imaginary, forms the third field and has been dealt with by Viebig throughout all periods of her literary work, as has been the fourth: the idea, or the sentiment, of 'Heimat', being present in her texts in many different facets. Viebig makes use of the contemporary social discourse on 'heimat' and creates from it a literary interdiscourse with many different, sometimes disharmonic aspects. Transcending these fields, Clara Viebig deals with themes of feminity and motherhood.
Clara Viebig did not only incorporate different literary trends into her novellas – naturalism and Heimatkunst being the most formative and the most antithetic – but also the numerous social, ideological and literary discourses she partook in. She always took interest in current topics and problems and discussed them in her prose, yet not always unambigously. Seen with a focus on the dimension 'nature', Viebig's works show a multidimensional and ambivalent world view in which characteristics of many literary genres and ideologies directions intertwine.
It has to be stated that without the contribution made by the dimension of 'nature' within Clara Viebig's novellas, neither their dramaturgy nor their narrative content could persist on their own. Therefore, 'nature' as a functional category governing form and content is the decisive criterion in Clara Viebig's novellas.

Home | Suchen | Veröffentlichen | Hilfe | Viewer