Suche   SiteMap
Home
A bis Z
BIB-KAT
Andere Bibliothekskataloge
Digitale Medien
Dokumentlieferung
Fachspezifische Informationen
Suchhilfen und Datenbanken
 
Eingang zum Volltext in OPUS

Hinweis zum Urheberrecht

Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:hbz:385-3854
URL: http://ubt.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2006/385/


Sibyllendarstellung im Italien der frühen Neuzeit. ܜber die Identität und den Bedeutungsgehalt einer heidnisch-christlichen Figur

Italian Representations of Sibyls in Early Modern Time. On Identity and Meaning of a Christianized Pagan Woman

Stumpfe, Wolfger

pdf-Format:
Dokument 1.pdf (21.295 KB) Dokument 2.pdf (1.400 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
SWD-Schlagwörter: Dodekapropheton , Große Propheten , Sibylle , Weissagung , Rom / Oratorio del Gonfalone , Rom / Arciconfraternità del Gonfalone , Gonfalone
Freie Schlagwörter (Deutsch): Sibylle ,
Freie Schlagwörter (Englisch): Sibyl , Sibyls , Prophetesses, Prophets , Guercino
Institut: Kunstgeschichte
Fakultät: Fachbereich 3
DDC-Sachgruppe: Künste, Bildende Kunst allgemein
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Wolf, Gerhard (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 25.07.2005
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 23.11.2006
Kurzfassung auf Deutsch: Die Arbeit befasst sich mit der malerischen Darstellung von Sibyllen im Italien des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts. Die Sibyllen sind ursprünglich heidnisch-antike Prophetinnen, finden aber später einen Platz innerhalb des christlichen Heilsgeschehens. Seit dem fünfzehnten Jahrhundert häuft sich ihre bildliche Darstellung in Italien und erlebt bis zum Ende des sechzehnten Jahrhunderts einen Höhepunkt in der Freskomalerei, wobei meistens mehrere Sibyllen in einem zyklischen Zusammenhang auftreten. Zu Beginn des Seicento erscheint die Prophetin unvermittelt als Einzelfigur in der Bologneser Tafelbildmalerei, namentlich in Werken von Guercino und Domenichino. Verschiedene Aspekte dieses auffälligen Wechsels sowohl des Mediums als auch der Anzahl der Figuren in der sibyllinischen Darstellung werden untersucht. Ausgegangen wird dabei von einem letzten großen Freskenzyklus des sechzehnten Jahrhunderts, dem des Oratorio del Gonfalone in Rom, welcher bereits wissenschaftlich bearbeitet wurde. Insofern konnte auf fundiertes Material zurückgegriffen werden, um sich intensiver auf die inhaltliche Problematik der Sibyllendarstellungen zu konzentrieren, welche bisher vernachlässigt wurde. Die bislang von der Kunstgeschichte angewandten Methoden – namentliche Identifikation der einzelnen Sibyllen, Spekulation über die variable Anzahl der dargestellten Figuren und Interpretation der von ihr verkündeten Worte – werden dabei als verfehlt entlarvt. Stattdessen wird ein neuer, tiefergehender Ansatz vorgeschlagen, der dem allgemeinen Bedeutungsgehalt der Prophetin und dem Gesamtzusammenhang des Bilderzyklus, in welchem sie erscheint, Rechnung trägt und sinnvolle Ergebnisse zeitigt. Im Fall des Oratorio del Gonfalone wird so der Bezug der Sibylle zum Goldenen Zeitalter, der Eucharistie und dem Heiligen Grab analysiert. Dieser Versuch, das Verständnis der Sibylle über ihre bloße Rolle als prophetische Verkünderin zukünftiger Ereignisse auszuweiten, erscheint ebenso angemessen und tatsächlich notwendig hinsichtlich der Tafelbilder des siebzehnten Jahrhunderts, in welchen die Figur als isolierte Halbfigur in porträtähnlicher Manier auftaucht. Die Bedeutung dieser Figuren ist nicht mehr in einem übergeordneten Zusammenhang zu suchen, sondern muss sich aus den Ideen und Vorstellungen zum ‚sibyllinischen Charakter’ erklären. Zwei besonders eminente Merkmale werden untersucht: die sibyllinische Melancholie und die reuige Buße der Figur. Durch die Betrachtung der für die Arbeit ausgewählten Bildbeispiele ergibt sich schließlich eine weitere Entdeckung: Die grobe Einteilung in Fresken vor und Tafelbilder nach 1700 wird genauer fassbar. Die Fresken zeigen einerseits Sibyllen, deren körperliche Präsenz im Bild stark hervorgehoben wird, während andernorts die mimetische Darstellung der Figuren zugunsten einer Betonung der beigefügten Orakeltexte deutlich vernachlässigt wird. So schälen sich schließlich nicht zwei, sondern drei verschiedene Arten bildlicher Sibyllendarstellung heraus, welche in der Arbeit erstmals präzise beschrieben und in ihren wichtigsten Teilaspekten interpretiert werden.
Kurzfassung auf Englisch: The text deals with paintings of sibyls in Italy during the 16th and 17th centuries. Sibyls are originally ancient pagan prophetesses who later become part of the christian universe. Since the 15th century they begin to appear frequently in Italy, an evolution that reaches a climax in 16th century freco cycles, where usually several sibyls are shown. At the beginning of the Seicento the sibyl suddenly appears as an isolated figure in Bolognese canvas painting, especially in works by Guercino and Domenichino. Different aspects of this curious change of medium as well as number of figures in the sibyl’s representation are examined. Starting from one of the last large fresco cycles of the 16th century in the Oratorio del Gonfalone in Rome questions are raised concerning the content and meaning of these sibyls. So far art historians usually contented themselves by enumerating the sibyls’ names and number and the words of their given oracles, but in fact this interpretation does not produce any reasonable results. In contrast to the former research method a more innovative analysis is suggested which concentrates on the general idea of the sibyl and its specific relation to aspects of the given fresco cycle. For the Oratorio del Gonfalone these aspects are the myth of the Golden Age, the Eucharist and the Holy Sepulchre. Broadening the understanding of the figure of the sibyl herself out of the simple idea of the prophetic person announcing future events is even more so the only way to get access to the representations of the Bolognese painters and their isolated portrait-like sibyls of the 17th century. Their true significance is no longer found in relation with other images but is to be explained from the idea of the sibylline ‘character’ and ‘personality’. Two of its eminent aspects are examined: the melancholic and the penitent sibyl. The analysis of the different sibylline images brings forth another discovery as the basic structure of fresco painting before 1600 and canvas painting afterwards becomes more defined. The frecoes present the sibyls either in a very physical form underlining their bodily existence or, very differently, in ways that almost neglect the figure to draw all attention to the quotation of some announced oracles. In the end there are not two but three fundamentally different ways of representing sibyls in Italian painting, whose major aspects are described and analyzed for the first time in this dissertation.

Home | Suchen | Veröffentlichen | Hilfe | Viewer