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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:hbz:385-4893
URL: http://ubt.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2008/489/


Vielfalt in der Wissenschaft - Der Beitrag der Alchemie zur Naturwissenschaft bei Paracelsus, Boyle und Newton

Diversity in Science - Alchemy and its Contribution to the Scientific Works of Paracelsus, Boyle and Newton

Wagner, Lioba

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SWD-Schlagwörter: Alchemie ; Paracelsus ; Boyle, Robert ; Newton, Isaac ; Wissenschaftstheorie ; Wissenschaftsgeschichte <Fach>
Freie Schlagwörter (Deutsch): Geschichte 1500-1730
Freie Schlagwörter (Englisch): Alchemy, Philosophy of Science, History of Science
Institut: Philosophie
Fakultät: Fachbereich 1
DDC-Sachgruppe: Philosophie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Fischer, Klaus (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 29.07.2008
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 15.09.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Die Renaissance und die frühe Neuzeit sind entscheidende Phasen für die Entstehung der modernen Naturwissenschaften – und weisen gleichzeitig Merkmale auf, die zunächst ganz und gar nicht wissenschaftlich erscheinen. Dies gilt insbesondere für die Weltbilder, denen die Forscher dieser Zeit verhaftet waren und für die Methoden, mit denen sie zu wissenschaftlichen Erkenntnissen gelangten.

Nachvollziehen lässt sich dieser Befund bei Paracelsus, Robert Boyle und Isaac Newton. Sie alle haben die Wissenschaft vorangetrieben und ihr zu neuen Einsichten verholfen. Ihre Vorgehensweise war dabei weder einheitlich noch im heutigen Sinne streng wissenschaftlich – es genügt zu sagen, dass alle drei sich ernsthaft mit der Alchemie beschäftigt haben.

Der Alchemie liegt eine ganz andere Weltanschauung zugrunde als der sich entwickelnden modernen Naturwissenschaft: Magische Wechselwirkungen, Entsprechungen und Ähnlichkeiten sowie Kräfte wie Sympathien und Antipathien sind unumstrittene Grundelemente. Das Weltbild der modernen Naturwissenschaften wird dagegen zunehmend mechanisiert und quantifiziert – mit dem Ziel, alles auf rein mechanische Wechselwirkungen zwischen den atomaren Bausteinen der Materie zu reduzieren. Die naturwissenschaftlichen Erklärungen und Hypothesen, die innerhalb dieser beiden unterschiedlichen Weltbilder entstanden sind, waren demzufolge grundsätzlich voneinander verschieden. Gleiches gilt für die Methoden, die jeweils als adäquate Mittel des Erkenntniserwerbs akzeptiert wurden.

Die Beurteilung von Forschern, die sich mit Alchemie beschäftigt haben, ist daher nicht immer einfach. Gerade das Verhältnis von alchemistischer und anerkannt wissenschaftlicher Forschung verlangt eine differenzierte Untersuchung. Wie kann man sowohl Newtons Interesse für Alchemie als auch seinen quantitativ-mathematischen Erkenntnissen Rechnung tragen und dennoch zu einem einheitlichen Bild kommen? Müssen beide Bereiche getrennt betrachtet werden – und damit eindeutig in "wissenschaftlich" und "unwissenschaftlich" geschieden werden – oder kann es sein, dass sich beides gegenseitig befruchtet hat?

Die vorliegende Dissertation versucht zu zeigen, dass der eigentümliche weltanschauliche und methodologische Pluralismus der Renaissance und der frühen Neuzeit die Wissenschaft in vieler Hinsicht bereichert hat. So verschieden die zur Debatte stehenden Weltbilder waren, so reich war auch das Repertoire an unterschiedlichen Erfahrungstatsachen, Erklärungsmustern, theoretischen Begriffen und wissenschaftlichen Methoden, das sie zur Verfügung stellten. In diesem Sinne lässt sich feststellen, dass Paracelsus, Boyle und Newton nicht wissenschaftliche Erfolge erzielten, obwohl sie Alchemisten waren, sondern auch weil sie es waren.
Kurzfassung auf Englisch: The Renaissance and the early modern era are decisive periods for the development of modern science. At the same time, they have a lot of characteristics that do not correspond to the scientific ideal. This is especially true for the various world-views, to which the scientists of this time dedicated themselves, and also for their scientific methods.

This feature can be shown in the works of Paracelsus, Robert Boyle and Isaac Newton. Each of them contributed to the advancement of science. But the methods that were employed were neither uniform nor strictly "scientific" in the contemporary sense of the word. It is sufficient to point out that Paracelsus, Boyle and Newton were deeply involved in alchemy.

The world-view of alchemy is totally different from the world-view of the developing modern sciences. It is characterised by forces such as sympathies and antipathies, magical interdependencies, analogies, affinities and correspondences. In contrast to this, the world view of modern science was becoming more and more mechanistic and quantitative. It tries to reduce everything to the mechanical interaction of the atomic particles of matter. As a result, the scientific explanations and hypotheses, that developed within those unequal word-views, were fundamentally different from each other. The same is true for the methods that were accepted as being adequate means for the acquisition of knowledge.

The evaluation of scientists who were involved in alchemy is thus not always simple and unambiguous. Particularly the question about the relationship between their alchemistic and their accepted scientific works is not easy to answer. How is it, in the case of Newton, possible to allow for both his alchemistic hopes and his mathematical insights without drawing a distorted picture? Is it inevitable to separate the two realms and to classify them as "scientific" vs. "pseudo-scientific"? Or is it possible that both fields did in fact enrich and give new impetus to each other?

It is one of the intentions of this investigation to show that the peculiar plurality of world-views and of scientific methods that was one of the characteristics of the Renaissance and of the early modern era, was in fact an enrichment for the science of this time. Together with alternative world-views it provided a broad repertory of different empirical data and facts, theoretical concepts, interpretational schemas, and scientific methods. In this context it becomes clear that Paracelsus, Boyle and Newton did not advance science although they were alchemist, but partly also because they were alchemists.

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