Suche   SiteMap
Home
A bis Z
BIB-KAT
Andere Bibliothekskataloge
Digitale Medien
Dokumentlieferung
Fachspezifische Informationen
Suchhilfen und Datenbanken
 
Eingang zum Volltext in OPUS

Hinweis zum Urheberrecht

Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:hbz:385-5934
URL: http://ubt.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2010/593/


Kriege und Seuchen. Spätmittelalterliche Katastrophen und ihre Reflexion in den deutschen Einblattdrucken von 1460 bis 1520.

War and Disease. Late medieval catastrophes and their reflection in the German single-leaf prints from 1460 till 1520.

Marr, Jan

pdf-Format:
Dokument 1.pdf (20.930 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
SWD-Schlagwörter: Einblattdruck , Mittelalter , Epidemie , Pest , Syphilis , Katastrophe , Katastrophenreaktion , Schwabenkrieg , Krieg , Heiliger Krieg , Rhodos , Joha
Freie Schlagwörter (Deutsch): Spätmittelalter , Pestblatt , Ablaßhandel , Diätetik , Krankheitspatrone
Freie Schlagwörter (Englisch): war , disease , medieval , printing
Institut: Geschichte, mittlere und neuere
Fakultät: Fachbereich 3
DDC-Sachgruppe: Geschichte
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Schmitt, Sigrid (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 17.02.2010
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 11.10.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Seuchen und Krieg waren jedem einzelnen Individuum der spätmittelalterlichen Gesellschaft als elementare Bedrohungen des eigenen Lebens stets gegenwärtig. Welch hohen Stellenwert diese Katastrophen im Bewußtsein der Bevölkerung einnahmen, läßt sich anhand der vielfältigen zeitgenössischen Bild- und Textzeugnisse erschließen. Während diese vor der Mitte des 15. Jahrhunderts aufgrund der manuellen Fertigung in Skriptorien und den Werkstätten von Kartenmalern nur einem relativ kleinen Personenkreis zugänglich waren, herrschten nach der Erfindung des Buchdrucks völlig neue Voraussetzungen bei der Produktion, Reproduktion und Vervielfältigung von Schriftlichkeit. Mit der Druckkunst stand erstmals eine Technologie zur Verfügung, welches es erlaubte, in kurzer Zeit Abbildungen und Texte in bisher nicht geahnter Auflagenhöhe zu fertigen.rnMit den Einblattdrucken wurde früh eine Form gefunden – der erste datierbare Einblattdruck ist ein Mainzer Ablaßbrief aus dem Jahre 1454 –, die es erlaubte, mit niedrigem Aufwand einen großen Personenkreis zu erreichen. Die inhaltliche Bandbreite dieser Sonderform des frühen Drucks war beträchtlich. Sowohl textliche als auch bildliche Elemente wurden genutzt, um Ablaßbriefe, Almanache, Lehr- und Mahnblätter sowie Wunderberichte, Sensationsmeldungen usw. zu gestalten. Auftraggeber dieser Blätter waren in der Regel kirchliche und weltliche Institutionen.rnNeben den bereits genannten Ablaßbriefen bildeten die sogenannten „Andachtsblätter“ eine weitere wichtige Gruppe dieser Druckgattung. Nachweislich ist diese besondere Form der Gebets-Fokussierung bereits für das 14. Jahrhundert. Mit dem Aufkommen des Typendrucks setzte eine erste serielle Herstellung von Andachtsblättern ein. Speziell Blätter, welche die Seuchenabwehr thematisierten, wurden bald in großer Vielfalt verlegt. Der Schutz vor Pest und Syphilis nahm hierbei einen hohen Stellenwert ein.rnDas inhaltliche Spektrum dieser „Pestblätter“ reichte von der einfachen Fürbitte um Interzession durch den jeweils angerufenen Krankheitspatron bis hin zu komplexen medizinisch, diätetischen Anweisungen in Bild und Text. Neben diesem eher anleitenden Charakter verband der mittelalterliche Mensch mit dieser Variante des Einblattdrucks auch die Funktion eines apotropäischen Talismans.rnAußer der Bedrohung durch Krankheiten sah sich die mittelalterliche Gesellschaft des 15. Jahrhunderts mit einer weiteren existentiellen Bedrohung konfrontiert – dem Krieg. Auch wenn die deutschen Territorien im 15. Jahrhundert weitgehend von großen kriegerischen Auseinandersetzungen verschont blieben, so reichte der sogenannte Schweizer- oder Schwabenkrieg sowie der Bayerisch-Pfälzische (oder Landshuter) Erbfolgekriege aus, die gravierenden Folgen der Kriegsführung für die zivile Gesellschaft vor Augen zu führen. Zu einer weiteren Steigerung der „Kriegsangst“ führten die in diesem Zeitraum stattfindenden Auseinandersetzungen mit dem expandierenden Osmanischen Reich. rnDiese dezidierte Untersuchung der frühesten Einblattdrucke baut auf mehreren grundsätzlichen Fragestellungen auf: Wie, von wem, warum und wann wurden Einblattdrucke hergestellt? Wie und wo erfolgte die Verbreitung von Einblattdrucken? Wer erwarb wann Einblattdrucke und aus welcher Absicht heraus tat er dies? Diese recht komplexen Fragestellungen lassen sich auf drei Schlagworte reduzieren: rn»Produktion – Diffusion – Rezeption«rnAus diesen drei Aspekten des „Lebenslaufes“ eines Einblatts ergeben sich die zentralen Forschungsschwerpunkte dieses Projekts. Daher wird auch nach einer einführenden Begriffsdefinition des „Katastrophenblattes“ das Hauptaugenmerk zunächst auf der Produktion dieser Druckgattung – den Einblattdrucken – liegen. Bei der anschließend untersuchten Diffusion ist von besonderem Interesse, an welchen Orten, zu welchem Zeitpunkt die Drucke vom Hersteller oder Auftraggeber in den Besitz des „Endverbrauchers“ gelangten. Dieses Detail der Untersuchung ist auch daher von besonderer Bedeutung, da über die hier zu ermittelnden Ergebnisse eine Zuordnung erfolgen kann, in welchem gesellschaftlichen Umfeld die Blätter ihre Verwendung fanden. rnDer Kreis der Rezipienten schließlich ist in mehr als einer Beziehung für dieses Projekt von Bedeutung. Zunächst erlaubt die Kenntnis um ihren gesellschaftlichen Stand eine Einordnung in ein soziales Umfeld. Hieraus wiederum sind Rückschlüsse auf die Formen des Gebrauchs, in diesem Zusammenhang ist insbesondere die Lesefähigkeit von außerordentlicher Relevanz, der Einblattdrucke, welche Katastrophen thematisieren, möglich. Die somit gleichsam am Ende stehenden Gebrauchsformen – diese lassen sich nicht nur aus den Textinhalten der Blätter, sondern auch anhand von Benutzungsspuren, Fundorten usw. ermitteln – bieten Erkenntnisse, wie katastrophalen Ereignissen auf die spätmittelalterliche Gesellschaft einwirkten und welche Schlußfolgerungen diese daraus zog, um letztlich eine Antwort auf sie zu finden.
Kurzfassung auf Englisch: In the late middle ages epidemic diseases and war were a permanent menace in the consciousness of the medieval society, a fact verified by numerous images and texts of this era. Before the middle of the 15th century, all these products were made by hand – in the workshops of monasteries, nunneries and craftsmen. The invention of the printing press revolutionized the conditions of production, reproduction and multiplication of the written word. Printing was the first technology which made it possible to produce images and texts in unprecedented volume. Soon ambitious printing Masters established a new industry in the southern German territories. The prosperous cities of Augsburg, Mainz, Nuremberg and Strasbourg were its early centres. Soon the products which these craftsmen manufactured in their “offizins” dominated existing markets and began to create new ones. rnWith the single-leaf print, the Masters invented a new medium, which made it possible to contact a broad spectrum of readers and users and had a low cost of production. The content and design of these special printing-products was extremely varied. Images and texts were used to manufacture indulgence-certificates, almanacs, educational-pamphlets, miracle-reports and sensation-reports. Next to the indulgences, the so called “Pestblätter” comprised the biggest group of these single-leaf prints. In the second half of the fifteenth and the first quarter of the sixteenth century, leaflets confuring protection against the Black Death and Syphilis were very prominent.rnBeside deathly diseases, there was a second existential threat for inhabitants of central Europe – war! Although wide regions of Germany in the 15th century were not harmed by military conflicts, the Swabian (or Swiss) War and the Landshut War of Succession showed the serious consequences of warfare for the civilian society. The constant borderwars fought by the House of Habsburg against the Ottoman Empire increased the “Kriegsangst” further, which the single-leaf print consequently spread throughout the country. rnThis investigation depends on a series of Questions. How, why and when were single-leaf prints produced? Who produced them? Where and how were these printings distributed? Who purchased single-leaf prints? When and what were their motivations. It is possible to reduce these complex questions to three catchwords.rn»production – diffusion – reception«rnThese three aspects of the curriculum vitae of a single-leaf print embody the central research focus of this thesis. After a short definition of the “Katastrophenblatt”, attention is directed on the topic production. This chapter shows a short but necessary overall view. It is followed by the important and detailed diffusion section. The centre of the interest is here the channel of distribution – the way the print took from the producer or customer to the consumer. An important detail, because the results allow insights in these social classes single-leaf prints were commonly used in the 15th and 16th century. rnThe recipients are in more than one perspective relevant to this research study. First of all there are the social circumstances these persons lived in. Informations out of this context allow conclusions about the forms single-leaf prints were used. The at the end of this investigation analysed usage could not only be opened by the content of texts and images. Marks of use as well as sites of discovery and circumstances of finding offer new knowledges in which way catastrophes effected the german society of the late middle ages and how the inhabitants of the Holy Roman Empire tried to find answers why they were confronted with these dangers and to protect themselves against it.

Home | Suchen | Veröffentlichen | Hilfe | Viewer