Suche   SiteMap
Home
A bis Z
BIB-KAT
Andere Bibliothekskataloge
Digitale Medien
Dokumentlieferung
Fachspezifische Informationen
Suchhilfen und Datenbanken
 
Eingang zum Volltext in OPUS

Hinweis zum Urheberrecht

Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:hbz:385-6222
URL: http://ubt.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2011/622/


Zwischen Chicha, Baströckchen und Patriotismus: Geschlechterentwürfe im Kontext von Ethnizität und Nation in einem Napo Runa-Dorf im Oriente Ecuadors

Between chicha, grass skirt and patriotism: Gender constructions in the context of ethnicity and nation in a Napo Runa village in the Oriente of Ecuador

Edenheiser, Iris

pdf-Format:
Dokument 1.pdf (2.960 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
SWD-Schlagwörter: Geschlechterforschung , Ethnizität , Nation , Oriente <Ecuador> , Ecuador <Ost> , Rio Napo , Napo <Provinz> , Rio Napo <Region> , Quechua-Sprache ,
Freie Schlagwörter (Deutsch): Napo Runa , Runa , Quichua , Tiefland-Quichua
Freie Schlagwörter (Englisch): Quichua, Runa, Gender, Ethnicity, Nation
Institut: Ethnologie
Fakultät: Fachbereich 4
DDC-Sachgruppe: Ethnologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Antweiler, Christoph (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 04.10.2010
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 07.02.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Arbeit ist eine Fallstudie zu Gender- und ethnischen Identitäts- und Differenzkonstruktionen in einer indigenen Gemeinde im Tiefland Ecuadors. Sie sucht folgende Fragen zu beantworten:
I. Wie wird Gender im sog. „Oriente“ Ecuadors verhandelt und performativ produziert? Existieren Gegenstimmen und Subversionen zu dominanten Genderrollen, und wenn ja, in welcher Form?
II. Wie entwerfen die Napo Runa von der sogenannten Peripherie aus ihre nationale und ethnische Identität? Welche Diskurse und praktischen Strategien entwickeln sie im Umgang mit den ethnisch „Anderen“ innerhalb des nationalen, ecuadorianischen Kontextes?
III. Auf welche Art und Weise sind die Kategorien Gender, Ethnizität und Nation ineinander verwoben? Wie werden Männlichkeiten und Weiblichkeiten in Abgrenzung und Anziehung zum ethnisch „Anderen“ konstruiert? Wie werden dabei hegemoniale Gender-, ethnisch-rassische und nationale Diskurse und Praxen von den Runa aufgenommen, verarbeitet und umgedeutet?
In der feministisch ausgerichteten Gender-Forschung dienen „nicht-westliche“ Beispiele häufig dazu, Alternativen zur euro-amerikanischen binären, heteronormativen Geschlechterordnung aufzuzeigen und letztere somit zu dekonstruieren. Diese Fallstudie zu den Tiefland-Runa in Ecuador kann dazu nur sehr bedingt einen Beitrag leisten: Die Runa bestehen auf der Dichotomie weiblich-männlich, die nach dem biologischen Geschlecht des Kindes bei der Geburt bestimmt wird. Und dennoch erfordert das Herausbilden der „richtigen“ Genderidentität aus indigener Perspektive von Kindheit an beständige Formung, was sich besonders in der früh einsetzenden Arbeitsteilung äußert, welche Wissen in den Körper „einschreibt“. Wer die gegenderten, alltagspraktischen Techniken in seinen/ihren Körperhabitus übernommen hat, gilt als „richtiger Mann“ resp. „richtige Frau“, als erwachsen. Der biologischen Reifung des Körpers wird dagegen weniger Bedeutung beigemessen.
Explizit ausformuliert wird die für gesellschaftliches Leben als unerlässlich angesehene Komplementarität beider Geschlechter. Die jüngere ethnographische Literatur zum Amazonastiefland tendiert mehrheitlich zur Gleichsetzung dieser Komplementarität mit einem egalitären Geschlechterverhältnis. Meine Daten deuten jedoch auf ein unausgeglichenes Machtverhältnis zwischen Männern und Frauen hin. Eine klare Hierarchie lässt sich in verschiedenen Bereichen ablesen, wie z.B. dem unterschiedlichen Zugang zu politischer Macht, spirituellem Wissen, ökonomischen Möglichkeiten, Arbeitszeitaufteilung, Bewegungsfreiheit und Verfügungsgewalt über den eigenen und fremde Körper.
Auch in der Abgrenzung der Runa gegenüber anderen ethnischen Gruppen spielt die Kategorie Geschlecht eine zentrale Rolle. Entlang der Runa-Ideale von geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung und Verhaltensidealen werden Grenzen gezogen. Dabei sind es die MestizInnen, welche die wichtigste Rolle in diesem fortwährenden identitätszeichnenden und -versichernden Prozess als direkte und dominanteste Gegenüber spielen. Einerseits sucht man sich gegen mestizische Dominanz und Vereinnahmung durch Betonung der eigenen, ethnisierten Kraft und Stärke und einer „reinen“ Heiratspraxis zu erwehren. Andererseits eifert insbesondere die jüngere Generation, auch in ihren Genderentwürfen, einem mestizischen Lebensstil als Inbegriff von „Zivilisation“, Modernität, Urbanität und Fortschrittlichkeit nach und versucht, dies besonders durch Bildung zu erreichen. Speziell in den Feminitätsentwürfen der ruralen, traditionellen runa warmi und ihrem Gegenstück „urbane Mestizin“ findet dieser Widerspruch seinen Ausdruck. Für Männer stellt das Militär den größten außerdörflichen Einfluss auf jugendliche maskuline Runa-Identitätsbildung dar und drängt diese zusehends in die Richtung eines mestizisch-virilen Männlichkeitsideals, das eng verbunden ist mit einer nationalen Identität als Ecuadorianer.
Beruhend auf Viveiros de Castros‘ Multinaturalismus-Theorie findet man in der wissenschaftlichen Literatur zum Amazonastiefland immer wieder die Darstellung äußerst aufnahmefähiger, flexibler Gesellschaften, welche starren ethnischen Grenzen mit größter Skepsis zu begegnen wüssten. Die Inkorporierung „Fremder“, seien sie Affinalverwandte oder ethnisch different, geschehe über die konstante gemeinsame Produktion entlang der gegenderten Arbeitsteilung und den Konsum der gleichen Nahrung, die zusehends und fortlaufend die Unterschiede zwischen Menschen nivellieren. Ich halte diese Einschätzung amazonischen Gemeinschaftslebens für idealisiert. Sie mag partiell richtig sein, jedoch wird „Fremdartigkeit“ nie ganz vergessen. Eine gewisse „fremde“ Essenz, welcher Art diese auch immer sein möge, bleibt bestehen – unabhängig davon, ob die Betreffenden die geschlechtsspezifischen Runa-Körpertechniken erlernt haben. Es stehen hier m. E. zwei Diskurse nebeneinander.
Kurzfassung auf Englisch: The dissertation is a case study about the construction of gender and ethnic identities and differences in an indigenous community in the lowlands of Ecuador. It aims at answering the following questions:
I. How is gender discoursively and practically constructed in the Ecuadorian „Oriente“? Do opposion and subversion towards the dominant gender roles exist, and if yes, in which way?
II. How do the Napo Runa construct their national and ethnic identity from a so-called peripherical position? What discourses and practical strategies do they develop in dealing with ethnic „others“ in a national context?
III. In what way are the categories of gender, ethnicity and nation interconnected? How are masculinities and feminities are constructed in opposition and attraction to ethnic „others“? How are hegemonial gender, ethnic, racial and national discourses und practices adopted, dealt with and reframed by the Runa?

Home | Suchen | Veröffentlichen | Hilfe | Viewer