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Das Entscheidungsverhalten ehrenamtlicher Gemeindeleiter in der Evangelischen Kirche Deutschlands - Eine explorative Untersuchung auf Basis der Verfügungsrechtstheorie

Decision-making Behaviour of Volunteer Parish Council Members in the Evangelical Church in Germany - an Exploratory Study on the Basis of Property Rights Theory

  • Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist eine der größten Nonprofit-Organisationen in Deutschland. Sie ist ein sehr heterogenes Gebilde aus (zum Zeitpunkt der Untersuchung) 22 Landeskirchen unterschiedlichen Bekenntnisses mit jeweils eigenen Organisationsstatuten und rechtlichen Regelungen. Lokale Anlaufpunkte für ihre 23,9 Millionen Mitglieder (Stand Ende 2010) sind die Gemeinden. Sie verwalten sich weitgehend selbständig und werden von gewählten und berufenen Ehrenamtlichen sowie dem oder den Geistlichen der Gemeinde geleitet. Ein Mitglieder- und Einnahmerückgang bewirkt steigende Anforderungen an die Gemeindeleitung und die Notwendigkeit umfassender organisatorischer Veränderungen, die einen groß angelegten Reformprozess in der EKD angestoßen hat. Dies führt u.a. zu Zusammenlegungen von Landeskirchen und Kirchengemeinden, Pfarrstellenkürzungen und einer Reduzierung kirchlicher Gebäude. Auch hiervon sind die Gemeinden und ihre Leitungsgremien betroffen. Ziel der Arbeit ist, vor diesem Hintergrund die Gemeindeleitung (mit Fokus auf den ehrenamtlichen Gemeindeleitern) und die Entscheidungsprozesse in den Leitungsgremien explorativ zu beleuchten. Die Betrachtung erfolgt aus einer verfügungsrechtlichen Perspektive und rückt damit die Handlungsspielräume, die Einstellungen und das Entscheidungsverhalten der ehrenamtlichen Gemeindeleiter in den Fokus. Zunächst werden die aktuellen Herausforderungen für die Gemeinden sowie die Themen und unterschiedlichen Ansätze in der Reformdebatte betrachtet. Es folgt eine Darlegung der Einflussmöglichkeiten der Gemeindeleiter auf die Situation ihrer Gemeinde. Hierzu werden die für die Dienstleistungsproduktion von Gemeinden relevanten Entscheidungsfelder, wichtige Kenngrößen für die Gemeindearbeit und die von den Gemeindeleitern beeinflussbaren Entscheidungsvariablen ermittelt. Es folgt eine Analyse der verfügungsrechtlichen Arrangements der 22 Landeskirchen der EKD für die Gemeindeleitung. Für den angestrebten Organisationsvergleich sind Regelungsaspekte von Interesse, deren Ausgestaltung in einzelnen Landeskirchen stark voneinander abweicht. Für die empirische Untersuchung werden konkret die drei Aspekte 'Grad der Selbständigkeit des Gemeindeleitungsgremiums', 'Einflussverteilung zwischen Pfarrern und Ehrenamtlichen im Gremium' sowie 'Haftungsregelungen für die ehrenamtlichen Gemeindeleiter' ausgewählt. Zu den Auswirkungen der unterschiedlichen Ausgestaltung dieser drei Regelungsaspekte werden Hypothesen aufgestellt, die anhand von Fallstudien überprüft werden sollen. Hierfür wurden mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Evangelisch-reformierten Kirche drei Landeskirchen selektiert, die in den genannten Bereichen sehr unterschiedliche Regelungen aufweisen. Den Kern der Arbeit bildet eine explorative vergleichende Untersuchung der unterschiedlichen verfügungsrechtlichen Rahmenbedingungen in den ausgewählten Landeskirchen und ihrer Auswirkung auf das Entscheidungsverhalten der ehrenamtlichen Gemeindeleiter. Auf der Basis von Interviews mit rechtlich versierten Vertretern der drei Landeskirchen werden die historischen Hintergründe für die unterschiedliche rechtliche Ausgestaltung sowie die praktische Relevanz und Anwendbarkeit der einzelnen Regelungen analysiert. Zusätzlich werden für die gemeindlichen Fallstudien wichtige Veränderungs- / Entscheidungsprozesse mit aktuell großer Bedeutung für die Gemeinden ermittelt. Dies sind konkret der Gemeindezusammenschluss, die Pfarrstellenbesetzung und die Durchführung einer großen Baumaßnahme. Für die gemeindliche Untersuchung wurden für jede der drei Landeskirchen drei bis vier Gemeinden (insgesamt 11) ausgewählt, die mindestens einen der drei genannten Prozesse gerade durchliefen oder abgeschlossen hatten. Für jeden ausgewählten Prozess wird damit in jeder Landeskirche mindestens ein Fall betrachtet. An die ehrenamtlichen Gemeindeleiter der selektierten Gemeinden adressierte Fragebögen geben Aufschluss zu ihren Motivstrukturen. Mittels eine Clusteranalyse werden dabei sechs unterschiedliche Gemeindeleitertypen mit verschiedenen Motiven und Schwerpunkten ermittelt und vorgestellt. Anhand von mit den ehrenamtlichen Vorsitzenden der Gemeinden geführten Interviews werden schließlich die durchlaufenen Entscheidungsprozesse beleuchtet. Auf Basis der Erkenntnisse aus den Interviews und den Fragebögen wird analysiert, wie sich die unterschiedlichen verfügungsrechtlichen Rahmenbedingungen in den drei Landeskirchen auf das Entscheidungsverhalten verschiedener Gemeindeleitertypen und damit auf die Entscheidungsprozesse und -ergebnisse in den Gemeinden auswirken. Dabei werden die zuvor aufgestellten Hypothesen anhand der vornehmlich qualitativen Auswertungen überprüft. Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse in die Reformdebatte eingeordnet und konkrete organisatorische Gestaltungsvorschläge abgeleitet.
  • The Evangelical Church in Germany (German: Evangelische Kirche in Deutschland, abbreviated EKD) is one of the largest non-profit organizations in Germany. It is a highly heterogeneous structure consisting of (at the time of this study) 22 different regional churches, each with its own organizational statutes and regulations. The local parishes offer a first point of contact for their 23.9 million members (as of 2010). To a large extent, the parishes are self-managed by elected and appointed volunteers and by the priest or priests working for the parish. Losses in membership and revenue cause increasing demands for the management of the local parishes and the need for major organizational changes, which has initiated a large-scale reform process in the EKD. This involves mergers of regional churches and parishes as well as cuts in the numbers of rectorates and a reduction in the number of church buildings. It also significantly affects the local parishes and their parish councils. In view of this background, the goal of the paper is to provide an exploratory analysis of the management of the local parishes (focusing on the voluntary members of the parish council) and the decision-making processes in the parish councils. The analysis is made from a property rights perspective which focusses on the manoeuvring room, the motives and the decision-making behaviour of parish council members. First, the relevant challenges for the local parishes in the current environment as well as the topics and the different approaches in the current reform debate are laid out. The options of parish councils to influence the situation of their parish are analysed. For this purpose, the relevant decision fields, important key figures and the variables which can be influenced by the parish councils are identified. In a second step, the property rights arrangements provided for the parish councils by the constitutions of the different regional churches are studied. Regulatory aspects which are handled very differently in different regional churches are of interest for the intended organizational comparison. For the empirical part of the study, three aspects are selected. These are 'the degree of autonomy of the parish councils', 'the degree of influence of the pastors and the volunteer members in the parish councils' and 'the liability of the volunteer members of the parish councils'. Hypotheses about the impact of different property rights arrangements concerning these three aspects are developed which are to be tested in the empirical part of the paper on the basis of case studies. For this purpose, the Protestant Church in Hesse and Nassau, the Evangelical Church of Hesse Electorate-Waldeck and the Evangelical Reformed Church are purposefully selected because their regulations differ greatly in the three areas mentioned. The central point of this work is an exploratory comparative study of the different property rights frameworks in the selected regional churches and their impact on the decision-making behaviour of the volunteer parish council members. On the basis of interviews with legally experienced representatives of the three selected regional churches, the historical background for the different property rights arrangements and the practical relevance and applicability of single property rights are analysed. In addition, large change / decision-making processes are determined, which currently have a particularly important role in the local parishes and thus can be used for case studies. These are the merger of local parishes, the recruitment of pastors and large construction projects. Three to four parishes per regional church (11 in total) which currently went through or had just completed at least one of the selected processes were selected for the study. For each of the three selected processes, at least one case can thus be studied in each of the three regional churches. Questionnaires addressed to all volunteer parish council members of all the selected parishes provide information on basic motives of the volunteers. A cluster analysis reveals six different types of volunteer parish council members whose different motives and priorities are portrayed. Finally, the decision-making processes in the respective parishes are examined in interviews conducted with the volunteer chairman of the selected parish councils. Based on the findings from the interviews and the questionnaires, the paper analyses the impact of the different property rights arrangements of the three regional churches on the decision-making behaviour of different types of volunteer parish council members and thus on the decision-making processes and their outcome for the local parishes. The hypotheses which have been made earlier are tested on the basis of mainly qualitative evaluations. In the closing chapter, the results are connected to the current reform debate and concrete organizational design proposals are derived.

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Metadaten
Author:Kerstin Benter
URN:urn:nbn:de:hbz:385-8132
Advisor:Dieter Sadowski
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of completion:2013/07/09
Publishing institution:Universität Trier
Granting institution:Universität Trier, Fachbereich 4
Date of final exam:2013/04/10
Release Date:2013/07/09
Tag:Decision-making Behaviour; Empirical Study; Evangelical Church in Germany; Non-profit Organization; Property Rights Theory
GND Keyword:Entscheidungsverhalten; Evangelische Kirche in Deutschland; Fragebogen; Gemei; Interview; Motiv; Nonprofit-Organisation; Property-Rights-Ansatz
Institutes:Fachbereich 4 / Wirtschaftswissenschaften
Dewey Decimal Classification:3 Sozialwissenschaften / 33 Wirtschaft / 330 Wirtschaft

$Rev: 13581 $