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Das Schreiben in der Fremdsprache stellt Lernende der Sekundarstufe I vor besondere Herausforderungen. Sie müssen sprachliche Mittel genreadäquat einsetzen und dabei inhaltliche Kohärenz und textsortenspezifische Merkmale berücksichtigen. Schreibgespräche als dialogische Form des Peer Feedbacks bieten einen vielversprechenden Ansatz, der aus kognitiver Perspektive Noticing-Prozesse und Output-Hypothesenbildung anregt und aus soziokultureller Perspektive Ko-Konstruktion von Wissen innerhalb der Zone der proximalen Entwicklung ermöglicht. Empirisch ist jedoch wenig darüber bekannt, wie jugendliche Lernende mit begrenzten fremdsprachlichen Ressourcen solche Gespräche führen und für ihre Textüberarbeitung nutzen.
Die vorliegende Studie untersucht mittels eines qualitativen, explorativen Designs die Lernpotenziale von Schreibgesprächen bei prozess- und genreorientierten Schreibaufgaben im Englischunterricht der 8. Jahrgangsstufe. 26 Lernende aus drei Klassen in der deutschsprachigen Schweiz wurden im authentischen Unterrichtskontext während der Bearbeitung zweier Schreibaufgaben untersucht. Das Datenmaterial umfasst C-Tests, Schreibprodukte in Entwurfs- und Endversion, videografierte Schreibgespräche, Reflexionsbögen sowie introspektive Verfahren mit Lernenden und Lehrpersonen. Die Auswertung orientierte sich an der inhaltlich-strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse. Durch die Triangulation der verschiedenen Daten wurde ein multiperspektivischer Zugang zu den Überarbeitungsprozessen gewonnen.
Die Befunde zeigen, dass die Lernenden grundlegend genregerechte Texte erstellten, die Überarbeitungen sich jedoch vorwiegend auf sprachformale Korrekturen konzentrierten. In den Schreibgesprächen wurden zwar relevante Textaspekte benannt, eine vertiefte gemeinsame Aushandlung fand jedoch nur in wenigen Episoden statt. Durch die Feinanalyse und Kontrastierung ausgewählter Episoden wurden vier Prozessschritte erfolgreicher Ko-Konstruktion identifiziert: das Erkennen und Ansprechen genrerelevanter Aspekte, die Einschätzung des Anforderungsniveaus, die gemeinsame Aushandlung sowie die reflektierte Implementation. Drei Faktoren beeinflussen die Qualität dieser Ko-Konstruktion: die individuelle Interlanguage-Entwicklung, die Peer Feedback Literacy der Lernenden sowie soziale Beziehungen zwischen den Lernenden. Aus den Befunden werden didaktische Implikationen und Gestaltungsprinzipien für dialogische Feedbackprozesse im Fremdsprachenunterricht abgeleitet.
Die Studie adressiert eine zentrale Forschungslücke für jugendliche Lernende mit niedrigem bis mittlerem Sprachniveau im deutschsprachigen Raum und liefert empirische Grundlagen für die Weiterentwicklung von Schreibgesprächen in Unterrichtspraxis und Lehrpersonenbildung.