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Wie wurden die Normen des ehrlichen Steuerzahlens in unterschiedlichen Gesell-schaften ausgehandelt, und wie veränderten sie sich im Laufe der Zeit? Diesen Fragen geht das Projekt vergleichend anhand von drei unterschiedlichen Typen von Steuerstaaten nach (Wagschal 2005), nämlich Spanien, den USA und Westdeutschland zwischen den 1940er und 1980er Jahren. Als Quellen werden z.B. wissenschaftliche Publikationen der Steuermoralforschung, Material der tax education (Plakate, Filme), Medienberichterstattung, politische Debatten in Parlamenten, Parteiprogramme und Stellungnahmen von Kirchenvertretern her-angezogen. Als methodische Herangehensweise wird ein diskursanalytischer Zugang gewählt, um unterschiedlich Interessen und Machkonstellationen zu fokussieren. Die Diskurse ums Steuerzahlen dienen als Sonde in Aushandlungsprozesse gesellschaftlicher Lastenverteilung.
Schon die Definition des Begriffs „Steuermoral“ war keineswegs einheitlich: Verschiedene Forscher seit den 1950er Jahren nutzten zur Messung die Selbsteinschätzungen von Steuerzahler*innen, ihre moralische Beurteilung von Hinterziehungsfällen, oder sie rechneten die von der Steuerfahndung aufgedeckten Betrugsfälle hoch. Die verschiedene Messmethoden erzeugten unterschiedliche Ergebnisse, die in die politischen Diskurse eingespeist wurden. Auch die Finanzverwaltungen agierten unterschiedlich: Während sich die Finanzverwaltung in den USA (IRS) schon seit 1941 um eine aufwendige, multimediale Erziehung der Steuerzahler*innen bemühte, indem sie über Verwendungszwecke informierte und das System legitimierte, wurde dieser Ansatz in der Bundesrepublik kaum verfolgt. Im francistischen Spanien sind Ansätze der tax education nachweisbar, die nach dem Übergang zur Demokratie ab 1975 umfassend ausgebaut wurden.
Der Vergleich von Steuerskandalen macht ebenfalls Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar. Während z.B. in Bayern die Finanzverwaltung im Auftrag der Politik solche Norm-verletzungen oft zu vertuschen versuchte, trugen die spanischen Behörden bewusst zur Skandalisierung bei, um exempla zu statuieren. Waren Firmen betroffen, so wurden in den Skandalen Handlungsspielräume und Abhängigkeiten zwischen Wirtschaft und Staat ausge-handelt; Personalisierte Steuerskandale betrafen oft Repräsentant*innen bestimmter Gruppen, z.B. der African Americans in den USA oder der alten Franco-Eliten in Spanien. Ausgehandelt wurde, für wen die Normen des (ehrlichen) Steuerzahlens galten – eine Frage, die sehr eng mit dem Verständnis von Demokratie, Gleichheit und Staatsbürger*innenschaft verknüpft war.