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Diese Arbeit untersucht, ob und unter welchen Bedingungen diachroner semantischer Wandel als Signal in den kontextualisierten Tokenrepräsentationen
vortrainierter Sprachmodelle nachweisbar ist. Ausgangspunkt ist die theoretische Konvergenz der Distributionalhypothese mit der Architektur moderner
Transformer-Modelle: da kontextualisierte Embeddings distributional definierte
Bedeutung operationalisieren, könnten sie latent kodieren, was die Bedeutungsgeschichte eines Wortes hinterlässt. Drei Beiträge werden geleistet: Erstens
wird der AmDi-Datensatz vorgestellt, ein sense-annotiertes, multi-temporales
Korpus polysemer deutschen Nomen mit 22.230 annotierten Instanzen, verankert im GermaNet-Inventar. Zweitens werden zwei Trainingsstrategien zur
Verstärkung des temporalen Signals evaluiert: Multitask-Instruction-Tuning
scheitert daran, diachrones Signal uuverlässig von überlagernden Signalen zu
trennen; kontrastives Lernen mit temporal gewichteter Verlustfunktion gelingt
dies auf Lemmaebene und erzielt messbar höhere Signal-Rausch-Verhältnisse.
Drittens wird ein Messrahmen entwickelt, der semantischen Drift nicht als
skalare Distanz zwischen mittleren Embeddings erfasst, sondern als Verteilung
dimensionaler Veränderungen im Einbettungsraum. Diese Verteilungsmetriken
korrelieren zuverlässiger mit goldstandard-basierten Bedeutungswandelurteilen
als Kosinus-basierte Baseline-Maße. Die Arbeit diskutiert zudem die epistemologischen Grenzen des Ansatzes: Muster in Modellrepräsentationen erlauben
keine direkten Rückschlüsse auf natürlichen Sprachwandel; der Erkenntnisgewinn liegt vielmehr darin, zu verstehen, welche sprachlichen Signale Modelle
enkodieren und wie diese nutzbar gemacht werden können.
We consider irreversible investment problems where an agent decides if and when to
invest in a project which generates a perpetual flow of profits after paying some investment
cost. The agent observes the profits which follow a geometric Brownian motion
with possibly time-dependent drift. Moreover, she discounts future profits as well as the
investment cost. In the classical model introduced by Dixit and Pindyck (1994, Chapter
6, Section 1), the drift is constant and known to the agent. Even though this assumption
is convenient for their analysis, it is generally unrealistic. In this thesis, we consider three
variants of the classical model which turn out to be two-dimensional optimal stopping
problems: Unknown drift, a jump of the drift at a fixed time, and a jump of the drift at
an exponentially distributed time.
For all variants, the optimal investment decision only depends on the current profits
and the current state of the respective additional feature, which is either the current
updated belief on the true state of the drift, the remaining time until the drift jumps,
or the current state of the drift. Precisely, we characterize the optimal stopping time
by a continuous and monotonic boundary function mapping the state of the additional
feature on the minimal stopping trigger for the profit process. To achieve these results
and to derive the boundary function, we employ the following two approaches:
For unknown drift and a jump of the drift at a fixed time, we compute the boundary function
numerically by a nonlinear integral equation. This approach requires establishing
several properties of the boundary function and the value function such as monotonicity
and continuity. Since the agent’s payoff not only depends on the current state of the
profit process but also on the state of the additional feature, many standard arguments
to derive these properties are not applicable. Instead, our proofs build on a method to
connect the value functions for different initial profit levels and initial states of the additional feature. Based on this, we show that the value function solves the associated free
boundary problem. Next, we derive a nonlinear integral equation whose unique solution
is the boundary function. Utilizing this, we compute the boundary function numerically
via a fixed-point iteration in combination with a Monte-Carlo method.
For a jump of the drift at an exponentially distributed time and in a special case for
unknown drift, we determine the boundary function by a nonlinear equation which, for
the latter variant, even yields an analytical expression. We reduce both problems to
a family of parameterized one-dimensional optimal stopping problems whose optimal thresholds characterize the boundary function. For each sub-problem, we solve the
associated free boundary problem and verify that its solution corresponds to the value
function. This way, we establish a nonlinear equation for the threshold.
Additionally, we numerically analyze the influence of parameter variation on the optimal
investment behavior for every variant. Particularly, we analyze the value of information
in the case of unknown drift and, for the same expected jump time, compare the models
whose drift jumps at a fixed or an exponentially distributed time.
Wie wurden die Normen des ehrlichen Steuerzahlens in unterschiedlichen Gesell-schaften ausgehandelt, und wie veränderten sie sich im Laufe der Zeit? Diesen Fragen geht das Projekt vergleichend anhand von drei unterschiedlichen Typen von Steuerstaaten nach (Wagschal 2005), nämlich Spanien, den USA und Westdeutschland zwischen den 1940er und 1980er Jahren. Als Quellen werden z.B. wissenschaftliche Publikationen der Steuermoralforschung, Material der tax education (Plakate, Filme), Medienberichterstattung, politische Debatten in Parlamenten, Parteiprogramme und Stellungnahmen von Kirchenvertretern her-angezogen. Als methodische Herangehensweise wird ein diskursanalytischer Zugang gewählt, um unterschiedlich Interessen und Machkonstellationen zu fokussieren. Die Diskurse ums Steuerzahlen dienen als Sonde in Aushandlungsprozesse gesellschaftlicher Lastenverteilung.
Schon die Definition des Begriffs „Steuermoral“ war keineswegs einheitlich: Verschiedene Forscher seit den 1950er Jahren nutzten zur Messung die Selbsteinschätzungen von Steuerzahler*innen, ihre moralische Beurteilung von Hinterziehungsfällen, oder sie rechneten die von der Steuerfahndung aufgedeckten Betrugsfälle hoch. Die verschiedene Messmethoden erzeugten unterschiedliche Ergebnisse, die in die politischen Diskurse eingespeist wurden. Auch die Finanzverwaltungen agierten unterschiedlich: Während sich die Finanzverwaltung in den USA (IRS) schon seit 1941 um eine aufwendige, multimediale Erziehung der Steuerzahler*innen bemühte, indem sie über Verwendungszwecke informierte und das System legitimierte, wurde dieser Ansatz in der Bundesrepublik kaum verfolgt. Im francistischen Spanien sind Ansätze der tax education nachweisbar, die nach dem Übergang zur Demokratie ab 1975 umfassend ausgebaut wurden.
Der Vergleich von Steuerskandalen macht ebenfalls Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar. Während z.B. in Bayern die Finanzverwaltung im Auftrag der Politik solche Norm-verletzungen oft zu vertuschen versuchte, trugen die spanischen Behörden bewusst zur Skandalisierung bei, um exempla zu statuieren. Waren Firmen betroffen, so wurden in den Skandalen Handlungsspielräume und Abhängigkeiten zwischen Wirtschaft und Staat ausge-handelt; Personalisierte Steuerskandale betrafen oft Repräsentant*innen bestimmter Gruppen, z.B. der African Americans in den USA oder der alten Franco-Eliten in Spanien. Ausgehandelt wurde, für wen die Normen des (ehrlichen) Steuerzahlens galten – eine Frage, die sehr eng mit dem Verständnis von Demokratie, Gleichheit und Staatsbürger*innenschaft verknüpft war.
Wie viele retrodigitalisierte historische Wörterbücher sind auch die deutschsprachigen Dialektwörterbücher weitgehend isoliert voneinander und unverbunden im Web publiziert, obwohl sie ein großes Vernetzungspotential aufweisen. Als geeignete Plattform für die Verlinkung lexikalischer Ressourcen gilt das Linked Open Data (LOD) Paradigma. Die Abbildung von Semantik erfolgt hier nach dem Prinzip semantics by reference über die Verknüpfung der Lemmata mit einem ontologischen Konzept. Allerdings wurden bislang kaum retrodigitalisierte Wörterbücher als LOD aufbereitet, was insbesondere auf das Fehlen von überzeugenden automatisierten Methoden zur lexikalisch-semantischen Vernetzung zurückzuführen ist.
Am Beispiel der westmitteldeutschen Dialektwörterbücher sowie dem semantischen Feld Trinken erprobt die vorliegende Arbeit drei unterschiedliche Methoden für die Durchführung einer automatisierten Verknüpfung von Lemma-Bedeutungs-Paaren und Konzepten: (1) einen Ansatz, basierend auf einem ausdrucksseitigen Abgleich von Zeichenketten, (2) die Verwendung von Embeddings nach Finetuning des Sprachmodells ModernGBERT und (3) die Nutzung des LLMs Llama 3.3. Die Datenbasis für die Vernetzung und deren Evaluation wird durch ein Korpus mit Goldstandard-Annotation bereitgestellt. Ein projektspezifisches kontrolliertes Vokabular definiert die Konzepte, welche als Referenzebene der Verknüpfung sowie Schnittstelle zum Semantic Web fungieren.
Die beste Gesamtperformance erreicht die auf ModernGBERT basierende Methode: Sie klassifiziert 97% der Einträge korrekt ins semantische Feld, erreicht 94,55% Genauigkeit bei den generischen Wurzelkonzepten, 88,56% bei den Basiskonzepten und ordnet konkrete Konzeptbegriffe zu 91,78% korrekt zu (Top-3-Vorhersagen). Die Qualität der erzielten Ergebnisse eignet sich bereits ohne Nachbearbeitung zum Einsatz für eine konzeptbasierte Suche oder zur Exploration eines Wortfeldes. Für Kontexte, in denen eine möglichst fehlerlose Vernetzung notwendig ist, etwa im Semantic Web, bieten die erzeugten Konzeptverknüpfungen eine gute Grundlage für einen nachgelagerten Korrekturdurchgang.
Somit konnte eine praktikable Lösung für eine automatisierte semantische Vernetzung von Wörterbuchartikeln erarbeitet werden. Es eröffnet sich damit die Perspektive, lexikographische Daten – insbesondere solche aus vordigitaler Ära – als LOD miteinander zu vernetzen, wodurch diese einen onomasiologischen Zugang erhalten und sich neue Anwendungs- und Suchmöglichkeiten eröffnen.
Antisemitismus als leidenschaftliche Welt(um-)deutung findet nicht erst seit dem 7. Oktober 2023 über den Kreis der „üblichen Verdächtigen“ im Rechtsextremismus hinaus Anklang. Der Band zeigt die Persistenz, Wandelbarkeit und globale Verbreitung judenfeindlicher Vorstellungen und Äußerungsformen auf und verfolgt sie von der Antike bis in die Telegram-Chats, Universitätshörsäle und Demonstrationen der Gegenwart.
Der interdisziplinär ausgerichtete Band versammelt antisemitismuskritische Studien junger Antisemitismusforscher*innen, die neue Schlaglichter auf die Akteur*innen, sich wandelnden Kommunikationsmodi und milieu- und kontextabhängigen Spezifika eines zunehmend global vernetzten antisemitischen Diskurses werfen. Über die offenen Erscheinungsformen judenfeindlicher Ressentiments hinaus verweist er auf die Virulenz latenter, halb- und unbewusst tradierter sowie bewusst codierter Vorstellungen über „die Juden“, „das Jüdische“ oder den jüdischen Staat Israel. Letzterer ist nicht erst seit, aber gegenwärtig wieder verstärkt infolge des Hamas-Pogroms vom 7. Oktober 2023 Gegenstand antisemitischer Agitationen, wobei gefühlte Wahrheiten über den Staat und den arabisch-israelischen Konflikt den öffentlichen Diskurs prägen. Die Analysen des Bandes stellen die Gemeinsamkeiten dieser Vorstellungen und Äußerungen heraus, in denen „die Juden“ oder Israel als Projektionsflächen für die Ängste und Wünsche der antisemitisch denkenden Subjekte dienen, und verweisen auf die Notwendigkeit einer kritischen und hörbaren Antisemitismusforschung nach der Zäsur des 7. Oktober.
Politischer Journalismus
(2026)
Der Band bietet vielfältige Forschungsperspektiven auf politischen Journalismus und seine Berichterstattung. Die Beiträge zeigen unterschiedliche methodische Zugänge für die Analyse. Die Muster des politischen Journalismus werden überwiegend in einem hybriden und digitalen Medienkontext skizziert. Ein Schwerpunkt liegt direkt auf Journalistinnen und Journalisten in den sozialen Medien. Mehrere Beiträge beleuchten Vermittlungskonstellationen und liefern Hinweise zu Veränderungen im Verhältnis zur Politik und zum Publikum. Der Band richtet sich an Forschende, Lehrende und Studierende im Bereich der Journalismusforschung und in der politischen Kommunikationsforschung.
Ländliche Utopien
(2024)
Sterbende Dörfer, Verödung und Niedergang: In Wissenschaft und Medien stehen ländliche Räume häufig für Orte des Mangels und der Benachteiligung. Zugleich bringen utopisch anmutende Vorstellungen und Bilder des Lebens auf dem Land so viel Glanz mit sich, dass sie in Werbung und Kultur sowie in den Wünschen und Orientierungen vieler Menschen Anklang finden. Die Beiträger*innen gehen aus unterschiedlichen Perspektiven diesem utopischen Glanz nach. Sie fragen, inwiefern »Utopien des Ländlichen« ein Zugang sein können, um Vorstellungen eines gelingenden gesellschaftlichen Zusammenlebens zu entwickeln und zu erproben – und welche konkreten Forderungen für die Regionalentwicklung und -politik damit verbunden sind.
C’est la participation des citoyen·ne·s engagé·e·s qui fait vivre la démocratie. À cette fin, il est nécessaire de familiariser le plus tôt possible les enfants et les adolescent·e·s aux méthodes démocratiques. Le conseil de coopération est un outil d’éducation à la démocratie qui o!re aux élèves de nombreuses possibilités pour expérimenter la participation et renforcer leurs compétences démocratiques.