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Die vorliegende Arbeit befasst sich mit einer komplexen Fragestellung: Wie geschieht der dynamische Umbau der sprachlichen Strukturen unter der Wirkung der innersprachlichen und außersprachlichen Parameter. Im Fokus der Forschung steht der Mechanismus des Werdens der Sprachstruktur, der hier als ein einziger Modus des Daseins der Sprache betrachtet wird. Als Material der Untersuchung dient die Operationalisierung der Bestandteile der verbalen Wortbildungsprozesse in der deutschen Sprache. Die Auswahl des verbalen Teils des Vokabulars ist dadurch bedingt, dass diese Wortart ein Zentralelement ist, das die ganze Sprachmaterie konsolidiert. Als einer der Schlüsselparameter gilt dabei der Frequenzfaktor, der bisher keinen einheitlichen Status in der Sprachtheorie bekommen hat. Die Suche nach dem Ursprung der Macht dieses Faktors führt unumgänglich über die Grenzen des Sprachsystems hinaus. Die Beobachtungen über das Verhalten des Frequenzfaktors in den Prozessen und Strukturen unterschiedlichster Natur lassen behaupten, dass wir es hier mit einem sehr komplexen Phänomen zu tun haben, das ein Bestandteil des allgemeinen kognitiven Anpassungsmechanismus des Menschen zur Umwelt ist. Als solcher ist er auch ein unveräußerlicher Aspekt der Semiose, des Sprachzeichens.
Diese Arbeit untersucht die sogenannte Eifeler Regel des Luxemburgischen, die die Tilgung des auslautenden -n unter bestimmten lautlichen und lexikalischen Bedingungen beschreibt, anhand eines umfangreichen maschinenlesbaren Textkorpus. Ziel ist es, die Faktoren zu identifizieren, die den Erhalt oder die Tilgung des -n in der Schriftsprache beeinflussen, und diese empirisch zu modellieren.
Zunächst werden die kontextuellen Bedingungen der n-Tilgung analysiert, anschließend die Eigenschaften der betroffenen Lexeme. Die korpusbasierten Auswertungen zeigen signifikante Zusammenhänge zwischen dem Tilgungsverhalten und Merkmalen wie Wortart, orthographischer Struktur (insbesondere Doppel-n-Schreibung) sowie phonologischen Eigenschaften der Auslautsilbe, vor allem der Vokalqualität. Substantive und bestimmte phonologische Muster erweisen sich dabei als besonders tilgungsresistent.
Auf dieser Grundlage wird ein unüberwachtes, regelinduzierendes Lernverfahren vorgestellt, das aus orthographischen Merkmalen ein Klassifikationsmodell für -n-auslautende Lexeme ableitet. Das Modell wird hinsichtlich Genauigkeit und Vollständigkeit optimiert und zeigt eine gute Leistungsfähigkeit bei der Anwendung auf reale luxemburgische Texte.