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Der deutsch-japanische Band widmet sich dem in der neuen Phänomenologie, vor allem bei Schmitz und Böhme, diskutierten Begriff der Atmosphäre.
Anders als die meisten eher systematisch orientierten Ansätze wählt der Band einen historischen Zugang. Dass historische Wurzeln bei Goethe liegen, mit dem Schmitz wie Böhme sich intensiv beschäftigt haben, ist bekannt. Bislang ist aber der Frage nach der Geschichte des Atmosphären-Begriffs und seiner Vorläufer wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden. Der Band unternimmt es deswegen, eine Linie zu verfolgen, die von Goethe (Hisayama) und Novalis (Kariya) zu Kepler (Schwaetzer), der für beide eine wichtige Referenz war, und von da aus zu Nikolaus von Kues (Yamaki) und dessen Situierung in Mittelalter und Antike (Bücker) zurückgeht. Er will mit diesem exemplarischen historischen Zugang die systematische Fruchtbarkeit einer geistesgeschichtlichen Perspektive für die Entwicklung einer Philosophie der Atmosphäre zeigen.
The articles presented in this volume deal with recent poetry and focus on the connection between politics, performativity, and the internet in multiple literatures and intercultural relations. Although the majority of these texts belong to the Russophone world, poetry from Serbia, Latvia, and China is also considered. The contributors demonstrate, on the one hand, how newer poetry softens genre distinctions and formally tends towards multimedia hybridization and, on the other, how it transcends or dissolves linguistic, cultural, and social boundaries.
Inger Christensen muss vielleicht als die bedeutendste dänische Dichterin der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelten, die auch im deutschsprachigen Raum große Beachtung fand. Ihr Einfluss auf die gegenwärtige deutschsprachige und skandinavische Lyrik wird in diesem Band erstmalig untersucht. Die hier versammelten Beiträge folgen den Spuren Inger Christensens in den lyrischen und essayistischen Arbeiten von Thomas Kling, Nico Bleutge, Herta Müller, Oswald Egger, Pia Tafdrup, Mette Moestrup, Silke Scheuermann, Jan Wagner, Uljana Wolf, Amalie Smith, Birgitta Trotzig und anderen. Dabei widmen sich die Studien sowohl Christensens sprachtheoretischen Reflexionen und den formalen Einflüssen ihres Werks und deren Transformationen in der Gegenwartslyrik als auch den thematischen Gegenständen ihrer Dichtung, insbesondere ihrem Naturkonzept und dessen Adaption in neueren ökokritischen Ansätzen.
Internationale Zeitschrift für Kulturkomparatistik Bd. 10 (2023): Contemporary Poetry and Politics
(2023)
Politische Themen und Intentionen in der Lyrik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und zu Beginn des 21. Jahrhunderts bilden den Gegenstand dieses Bandes. Das Spektrum der Beiträge reicht von länderspezifischen Analysen der Formen und Funktionen politischer Lyrik über die poetische Auseinandersetzung mit innen- wie außenpolitischen Problemen und Konflikten bis hin zu Lyrik als politischer Aktion. Der Akzent liegt auf slavischen und ostasiatischen Sprachen sowie auf der deutschsprachigen Lyrik.
Familiengeschichten sind in den letzten dreißig Jahren besonders unter politisch-historischen Aspekten sowie mit einem erinnerungskulturellen Interesse untersucht worden (insbesondere in Deutschland und Österreich, aber auch in Frankreich). Obwohl die Schweiz in die Zivilisationsbrüche des Zweiten Weltkriegs lediglich verwickelt worden ist, ohne von den Auswirkungen in einem vergleichbaren Ausmaß betroffen zu sein wie ihre Nachbarländer, ist der erinnerungskulturelle Diskurs ebenso relevant für schweizerische Literatur. Im vorliegenden Band stellt sich zunächst die Frage, inwiefern die Modelle, die die Forschung zu Familienroman und Generationenerzählung in anderen Literaturen ermittelt hat, auch für die Literaturen der Schweiz gelten. Dabei eröffnet die Untersuchung eines mehrsprachigen Korpus von deutsch-, französisch-, aber auch italienischsprachigen Erzählungen aus der Schweiz ein Untersuchungsfeld, in dem unterschiedliche literarische Traditionen in eine gemeinsame nationalstaatliche Perspektive gestellt werden. Konkret untersuchen die Beiträge im vorliegenden Band, wie Familiengeschichten im Spektrum der schweizerischen Literaturen erzählt werden. Dabei steht die Frage im Raum, ob die Schweizer Gegenwartsliteratur im Hinblick auf die erzählten Familienstrukturen einen Spiegel oder vielleicht einen Zerrspiegel der Schweizer Gesellschaft ergibt.
Begriffe sind keineswegs Abbildungen von adäquat zu beschreibenden Gegenständen, sondern eher Werkzeuge, anhand derer wir uns in der Wirklichkeit mehr oder weniger wirksam ständig orientieren. Dieses gilt nicht nur für das theoretische Denken: auch im Alltag oder in der Kunstpraxis entkommt man Begriffen nicht. Ein unentbehrliches künstlerisch-kritisches Moment besteht darin, den periodisch entstehenden „Haftungsverlust“ von Begriffen zu überwinden und ihre „Greifkraft“ wiederzugewinnen. In diese Richtung arbeiten die Beiträge dieses Heftes. In Auseinandersetzung mit der sich wandelnden Realität des Theaters entwickeln sie etablierte Begriffe weiter oder loten das kritische Potenzial relativ neuer Begriffe aus, die auch außerhalb des Theaters nützlich sein könnten. Insgesamt dokumentieren sie den Versuch, nicht nur über das Theater nachzudenken, sondern auch mit Hilfe des Theaters zu denken.
Der Band widmet sich dem Ansatz des Basler Philosophen Karl Joël, den dieser unter dem Titel „Der Ursprung der Naturphilosophie aus dem Geiste der Mystik“ 1906 vorgelegt hat. Trotz der geänderten Zeitlage lohnt es sich, so die Überzeugung, aus welcher der vorliegende Band entstanden ist, auf die Quellen hinzudeuten, aus denen Joël geschöpft hat. Wie er selbst nach dem Ursprung der Naturphilosophie fragt, so soll in den Beiträgen dieses Bandes nach dem Ursprung seines eigenen Denkens gefragt werden. Nach einer grundsätzlichen Vorstellung seines Ansatzes (Schwaetzer) werden die drei Epochen in den Blick genommen, auf die Joël vor allem rekurriert: Antike (Schneider), die Renaissance (Cuozzo) und Deutscher Idealismus (Hueck) sowie Spätidealismus (Hernández). Abschließend erfolgt ein Blick von der Gegenwart her (Thomas). Im engeren Sinne situiert sich die Fragestellung des vorliegenden Bandes im Bereich einer Naturphilosophie des Anthropozän. Er diskutiert dabei die These, dass Naturphilosophie aus Mystik entspringt, ohne in ihr aufzugehen, dass die erstere aber auch ihren Ursprung nicht verleugnen darf. Joël bietet damit einen gegenwärtige Konzeptionen produktiv hinterfragenden Wissenschaftsbegriff, der zugleich in eine auch das Geistige in Mensch und Kosmos ernst nehmende Anthropologie eingebettet ist.
In contemporary Russian poetry, a special movement has emerged that engages in political activism under the feminist banner. This form of political poetry aims less at criticism and subversion than at making a direct social impact. Poems are written as per-formative forms of social action and often with a concrete purpose. They aim to resist power and take the side of the oppressed. The poetic subject opens her voice and her body in solidarity with others or courageously opposes the establishment through provocation — even aggression.
Internationale Zeitschrift für Kulturkomparatistik Bd. 5 (2021): Literatur - Philosophie - Ästhetik
(2022)
Wenn auch viel über die Beziehung zwischen Literatur und Philosophie nachgedacht worden ist, sind entscheidende Fragen noch offengeblieben, z.B. die Frage des Verhältnisses zwischen der prinzipiell ästhetischen Verfasstheit literarischer Texte und dem ebenfalls prinzipiell rational-logischen Argumentationsmodus philosophischer Texte und die Frage der Bedingungsfaktoren der seit der Antike fruchtbaren Interdependenz von Philosophie und Literatur, die als Signum einer Kultur gelten kann, in der Dichten und Denken koexistieren und vielfach auch konvergieren. Der Band widmet sich Erscheinungsformen und Spielarten der Interaktion von Philosophie und Literatur, so dem Mimesis-Konzept von der antiken Philosophie bis zur modernen Literaturtheorie, dem Denken der Vorsokratiker, das in der Moderne wieder aufgegriffen wurde, der antiken Gattung des Gedankenexperiments und seiner Bedeutung bis zur Gegenwart. Platons Ring des Gyges wird als antiker Ursprung der Vorstellung des unsichtbaren Menschen herausgestellt. Ein Beitrag untersucht die ethische Dimension der Literatur, ein weiterer Freges Deutung der Sprache der Poesie. Fallstudien beschäftigen sich mit Ciceros intrikater Verwendung des Dialogs, Hölderlins Umsetzung der Philosophie in Literatur, Hegels Vergeistigung der Kunst, Schopenhauers Literarisierung der Philosophie, Wallace Stevens’ lyrischem Philosophieren, der Assimilation von Derridas Denken bei Francis Ponge, der Bedeutung moderner wissenschaftlicher Theorien bei Samuel Beckett und anderen postmodernen Romanciers und mit der Anverwandlung asiatischer Philosophie im Werk des amerikanischen Lyrikers Gary Snyder.
Auch wenn die Natur im Gedicht nach 1945 ihre poetische Unschuld verloren hat, so behält doch das Sprechen über Naturphänomene und Naturkatastrophen seine inspirierende Wirkung auf den Dichter. Im Gespräch zwischen Gedichten, vom Gedicht zum Leser stiftet Naturdichtung weiterhin Erkenntnis, politisch und weltanschaulich. Dabei spielt auch die Transition der poetischen Formen, die jahrhundertlang das Bild der Natur gestaltet haben, eine aufschlussreiche Rolle: Das Naturgedicht nach 1945 schöpft immer wieder aus dem rhetorischen Reservoir der Gattung, sei es aus dem lukrezischen Lehrgedicht oder sei es aus dem Idyll der klassischen Tradition. Und die neuere Naturdichtung stellt unser Anthropozän in Frage, jenseits von Lyrismus und von wohlfeilem ecocriticizm. Aus verschiedenen Perspektiven untersuchen die Beiträge des Bandes von IZfK diese Transitionen und Transformationen der Natur im europäischen Naturgedicht nach 1945. Wie kann man poetisch – und im weiteren Sinne dann auch politisch – über Natur sprechen angesichts ihrer ökologischen „Todesarten“ im 21. Jahrhundert? Welchen Einfluss haben die Naturwissenschaften auf new nature writing? Mit welchen Mitteln werden klassische Genres der Naturpoesie wie Pastorale, Bukolik, Elementar- und Lehrgedicht umgeschrieben?