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Interessenvertreter aus verschiedenen Bereichen scheinen übereinstimmend die Auffassung zu vertreten, dass der Prozess der Digitalisierung beschleunigt werden muss, um den Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung zu begegnen. In Deutschland wurde dieser Prozess erst in der jüngeren Vergangenheit entschiedener vorangetrieben, doch die Entwicklungen in anderen Ländern haben gezeigt, dass Big Tech Unternehmen diesen Wunsch nach einer beschleunigten Digitalisierung als Gelegenheit genutzt haben, um ihre gesundheitsbezogenen Aktivitäten auszuweiten. Besonders deutlich ist diese Entwicklung in den USA und Großbritannien sowie seit Beginn der Corona-Pandemie zu beobachten. Während manche Produkte, die die GAMAM-Unternehmen (Google, Apple, Meta, Amazon, Microsoft) im Gesundheitsbereich anbieten, wie z.B. die Apple Watch und die Corona-Warn-App, bereits ausführlicher untersucht wurden, wurde das ganze Ausmaß der Aktiväten dieser und weiterer Big Tech Unternehmen im Gesundheitsbereich noch nicht erfasst.
Es ist das Ziel dieser Dissertation, diese gesundheitsbezogenen Aktivitäten der Big Tech Unternehmen detailliert zu beschreiben. Neben den GAMAM-Unternehmen und weiteren “Tech-Giganten” aus den USA werden hierbei auch die Aktivitäten von deutschen Unternehmen wie Deutsche Telekom und SAP sowie Anbieter von elektronischen Patientenakten und Krankenhausinformationssystemen wie Epic Systems berücksichtigt. Insgesamt werden die Aktivitäten von 17 Unternehmen erfasst. Hierbei beschreibt die Dissertation die Aktivitäten getrennt nach Unternehmen und – für jedes einzelne Unternehmen – gegliedert in 27 Kategorien. Erstens wird somit eine Übersicht über die Aktivitäten jedes einzelnen Unternehmens ermöglicht und zweitens eine präzise Kategorisierung dieser Aktivitäten vorgenommen. Das Ziel ist die Erfassung aller gesundheitsbezogenen Aktivitäten der berücksichtigten Unternehmen bis zum Jahr 2025, wobei ein besonderer Fokus auf Aktivitäten im deutschen Gesundheitssektor gelegt wird. Neben den wichtigsten Fakten bezüglich der angebotenen Produkte werden auch Kontroversen und Kritik berücksichtigt, um ein möglichst vollständiges Bild bezüglich der Nutzung der Produkte zu erhalten.
Diesem Ansatz folgend kann gezeigt werden, dass manche Unternehmen in nahezu jedem Bereich des Gesundheitssektors aktiv sind (Google, Amazon), während andere Akteure einen klaren Fokus auf bestimmte Tätigkeitsfelder haben (CompuGroup Medical, Dedalus, Epic Systems). Betrachtet man die Aktivitäten im Zeitverlauf, wird deutlich, dass sie durch zahlreiche Brüche und Neuanfänge geprägt sind. Darüberhinaus fällt auf, dass viele Produkte, die von Big Tech im Gesundheitsbereich angeboten werden, nicht auf Eigenentwicklungen basieren, sondern durch den Kauf anderer Unternehmen übernommen wurden. Besonders deutlich am Beispiel von Palantir kann dargestellt werden, dass die Corona-Pandemie von Big Tech Akteuren teils als Eintrittspforte in den Gesundheitsbereich genutzt wurde. Während eine Nutzung von Palantir-Software im Gesundheitsbereich seitens der britischen Regierung zuvor abgelehnt worden war, beauftragte sie das Unternehmen und weitere US-Amerikanische Tech-Unternehmen zu Beginn der Pandemie mit der Erstellung einer zentralen Datenplattform und seitdem hat Palantir sich auch in weiteren Bereichen der Gesundheitsversorgung in Großbritannien als Partner etabliert. Nahezu alle in der Dissertation berücksichtigten Unternehmen haben ihre gesundheitsbezogenen Aktivitäten im Rahmen der Pandemie deutlich verstärkt.
Trotz der umfassenden Darstellung muss insgesamt konstatiert werden, dass eine Evaluation, die potenzielle Vor- und Nachteile des Big Tech Engagements im Gesundheitsbereich abwägt, bislang nicht möglich erscheint. Dies liegt vor allem daran, dass teils ausschließlich Informationen von den Unternehmen selbst vorliegen, was eine objektive Einordnung unmöglich macht. Häufig wurden mit großem Aufwand eingeführte und beworbene Angebote ohne Angabe von Gründen wieder eingestellt. Während einige Big Tech Aktivitäten im Gesundheitsbereich erste vielversprechende Ergebnisse hervorgebracht haben, gingen andere Bemühungen mit unbefriedigenden Resultaten und, in manchen Fällen, sogar mit Gefahren für die behandelten Patienten einher. Diese Erkenntnisse legen nahe, dass sowohl die behaupteten Vorteile als auch die Motive der Big Tech Unternehmen kritisch hinterfragt werden sollten, wenn Implementierungen ihrer Lösungen im Gesundheitsbereich in Erwägung gezogen werden.
Im Anschluss untersucht die Dissertation die Diskrepanz zwischen der nahezu übereinstimmend positiven Erwartungshaltung vieler Interessenvertreter bezüglich der Digitalisierung und Plattformisierung des Gesundheitswesens einerseits und der unklaren empirischen Befundlage bezüglich der Auswirkungen dieser Prozesse andererseits. Zu diesem Zweck wurden Aussagen zu positiven Effekten, die in zwei aktuellen Sammelbänden zum Thema Digitalisierung und Plattformisierung der Gesundheitsversorgung ohne Angabe empirischer Nachweise getätigt wurden, ausgewertet und kategorisiert. Im Anschluss wurden die an den Sammelbänden beteiligten Autoren nach Nachweisen für ihre Aussagen gefragt.
Im Rahmen dieser Studie wurden ca. 1.000 Aussagen zu positiven Effekten ohne empirischen Nachweis im Text identifiziert. Zu mehr als 500 dieser Aussagen wurden Fragen an die Autoren der beiden Sammelbände geschickt und bezüglich fast 300 Aussagen antworteten die Autoren. Hierbei wurden nur 6,5% der Aussagen zu denen Antworten eingingen mit überzeugenden Nachweisen belegt. Zu keiner der Kategorien, nach denen die Aussagen sortiert wurden, wurde eine hohe Bestätigungsquote erzielt und für einige Kategorien konnte kein einziger Nachweis für positive Effekte genannt werden. Während sich die Ergebnisse dieser Autorenbefragung nicht dazu eignen, positive Effekte der Digitalisierung und Plattformisierung im Gesundheitsbereich auszuschließen, deuten sie zumindest darauf hin, dass Aussagen bezüglich dieser Effekte häufig nicht durch empirische Nachweise abgesichert zu sein scheinen. Dies sollte berücksichtigt werden, bevor die betreffenden Prozesse mit unklarem Ausgang vorangetrieben werden.
Insgesamt lässt sich somit festhalten, dass sowohl bezüglich der Auswirkungen des gesundheitsbezogenen Big Tech Engagements als auch bezüglich der Effekte von Digitalisierungs- und Plattformisierungsprozessen im Gesundheitsbereich noch viele Unklarheiten bestehen. Allerdings legen die im Rahmen dieser Dissertation gewonnenen Erkenntnisse nahe, dass neben den häufig postulierten Vorteilen auch negative Auswirkungen resultieren können und vermutete positive Effekte häufig nicht durch überzeugende empirische Nachweise belegt sind.
Efficient and exact solutions to problems involving real numbers and
functions over the reals have notoriously been challenging to compute due to
the uncountable nature of the reals and the accumulation of numerical errors.
This thesis describes methods and software implementations for
computing solutions to such problems along with benchmarks and rigorous
correctness proofs. Specifically presented are a calculus for solving non-linear,
transcendental SMT problems over real numbers, methods for solving initial value
problems, and a framework for rigorously analysing and optimising machine learning
models.
These techniques and tools are based on exact real computations and thus provide
exactness guarantees for real-valued results based on formal methods.
The techniques employed range from Taylor models to local linearisations and
are proven to be correct. In particular, a CDCL-style calculus for solving
non-linear constraints which underlies the published SMT solver ksmt is
provided along with proofs of soundness and δ-completeness. The
techniques and tools presented here compare favourably to state-of-the-art
solvers and are available as open-source software.
Innovation is essential for economic growth, technological competitiveness, and sustainable transformation. However, measuring innovation remains a complex challenge for researchers and policymakers. Although patents have long been used as an indicator of technological innovation, they only capture part of the process. Patents primarily reflect technical invention rather than market introduction or service-related innovation. By contrast, trademarks are the most widely used form of intellectual property right and provide valuable insights into market-oriented and non-technological innovation. Building on this distinction, this dissertation explores how patent and trademark data can offer a more comprehensive and reliable overview of innovation.
This dissertation combines methodological, conceptual, and empirical perspectives to improve our understanding of how intellectual property data can be used to study innovation. The dissertation develops approaches for linking patent and trademark data to firm-level information. It also explores the value of this data as an indicator of different types of innovation and examines how it reveals distinctive innovation patterns. The dissertation presents these approaches across five studies and applies them empirically using large-scale datasets that integrate patent, trademark, and firm information.
The first study establishes a transparent and reproducible process for linking patent data from the PATSTAT database with firm-level data. Using a sample of over ten thousand German manufacturing firms, the study introduces a seven-step matching framework that combines algorithmic and manual processes. This approach improves the reliability and traceability of the results, providing a robust basis for analyzing innovation behavior at the firm level.
The second study provides a comprehensive review of trademark-based indicators, which remain underutilized despite their potential to capture product innovation, branding, and commercialization activities. It identifies nine key data sources and over forty distinct measures, classifying them into seven thematic domains. It demonstrates that trademarks can provide further insight into firms' innovation and market strategies, and it offers guidance on how to retrieve, clean, and apply such data. Furthermore, the study explores the potential applications of AI and language models in analyzing the textual and visual characteristics of trademarks.
The third study examines the potential of patents and trademarks as indicators of environmental innovation. Using matched firm-level and survey data from Germany and Italy, the study assesses the reliability of these indicators in identifying firms engaged in green innovation. The results show that patents and trademarks capture different aspects of innovation: patents reflect technological invention, whereas trademarks indicate market-oriented and sustainability-related activities.
The fourth study examines how the knowledge embedded in inventions influences the discontinuous potential of climate change mitigation technology patents. Using advanced text-based similarity analysis, the study distinguishes between inventions that draw more strongly on basic research and those that draw more strongly on applied technological knowledge. The results show that inventions with a stronger orientation toward basic research are more likely to generate technological discontinuities, while those based on applied knowledge tend to reinforce existing trajectories. Compared to traditional citation-based measures, the study demonstrates that content-based indicators can provide deeper insights into the knowledge foundations and transformative potential of innovation.
The fifth study examines the technological innovation patterns of Hidden Champions, which are highly specialized, export-oriented niche leaders that form the backbone of the German Mittelstand. Based on patent data, the analysis shows that Hidden Champions are more active in technological innovation and exhibit greater depth and specialization than comparable firms. However, their strong reliance on internal knowledge sources limits their innovation efficiency and results in predominantly incremental rather than radical innovation. These findings empirically support long-standing theoretical assumptions about the innovation behavior of Hidden Champions and demonstrate how patent indicators can identify firms with distinctive innovation profiles.
Together, the five studies offer substantial contributions to our understanding of innovation and how to measure it. They offer practical guidance for creating reproducible IPR datasets and summarize how trademark indicators can be used in innovation research. Additionally, they demonstrate how patent-based measures can be applied to study sustainability and knowledge orientation. The findings emphasize that the usefulness of IPR indicators depends on the context, as patents and trademarks capture different aspects of innovation that vary across industries and firm types. Furthermore, the dissertation shows that text-based similarity methods can enhance innovation analysis by revealing the knowledge bases and broader potential of inventions.
Die Studie vergleicht in einem dreistufigen Mixed-Methods-Design die Repräsentation von Behinderung im öffentlich-rechtlichen Kinderfernsehen Deutschlands und Großbritanniens am Beispiel des KiKA (Kinderkanal von ARD und ZDF) und CBeebies (BBC-Kinderkanal). Die zentrale Forschungsfrage lautet: Wie wird Behinderung im öffentlich-rechtlichen Kinderfernsehen in Deutschland und Großbritannien audiovisuell dargestellt und konstruiert? Theoretisch fundiert in der Wissenssoziologie (Berger & Luckmann, 1969), der Figurentheorie (Eder, 2014) und der Stereotypenanalyse (Barnes, 1992), konzeptualisiert die Studie mediale Repräsentationen als Konstruktionsprozesse, die gesellschaftliche Kategorien von Normalität und Differenz hervorbringen.
Das Forschungsdesign verbindet Erstens eine vergleichende quantitative Programm- und Sichtbarkeitsanalyse der Programmstruktur (144 Formate, 182 Stunden) und des Figurenensembles (186 Figuren mit Behinderung), Zweitens eine partizipative Fokusgruppe mit fünf Expert*innen mit Behinderung zur rekonstruktiven Entwicklung von Bewertungsdimensionen und einer Typologie von Repräsentationspositionen sowie Drittens eine multimodale Sequenzanalyse prototypischer Ausschnitte zur Rekonstruktion der audiovisuellen Herstellungsweisen dieser Repräsentationspositionen.
Die empirischen Befunde zeigen ausgeprägte strukturelle Asymmetrien zwischen den Sendern KiKA und CBeebies: CBeebies präsentiert rund 36-mal mehr Akteur*innen und Figuren mit Behinderung (181 vs. 5) und weist rund zwölfmal mehr entsprechende Sendezeit aus (16,34 vs. 1,32 Stunden). Während CBeebies Behinderung als strukturelles Programmmerkmal verankert, folgt KiKA einer Praxis selektiver Sichtbarkeit, die zudem im untersuchten Material bei drei der fünf Figuren mit stereotypen Figurenkonstruktionen einhergeht. Auf dieser Basis identifiziert die Arbeit in einer Typologie vier Repräsentationspositionen im narrativen Gefüge (Subjektposition, Ensembleposition, Reduktionsposition, Zeichenposition) und rekonstruiert, wie diese audiovisuell durch Verfahren der Schnittorganisation, Kameraführung und Interaktionsgestaltung hergestellt bzw. unterlaufen werden.
Die Ergebnisse werden an den normativen Bezugsrahmen der UN-Behindertenrechtskonvention rückgebunden, die beide Länder im Jahr 2009 ratifiziert haben, und führen zu der Erkenntnis: Inklusive Repräsentation ist eine strukturelle, nicht eine individuelle Aufgabe – sie muss in institutionellen Routinen und Entscheidungsprozessen verankert werden.
Die Arbeit entwickelt ein integriertes Analysemodell, das Sichtbarkeitsmuster, partizipative Bewertungen und mediale Herstellungsweisen systematisch aufeinander bezieht, und leitet daraus Implikationen für die Medienpraxis sowie für die Forschung in der Medienwissenschaft und den Disability Studies ab.
Dieser dritte Zwischenbericht beschäftigt sich mit sexualisierter Gewalt im Bistum Trier in den beiden ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts. Er führt die beiden ersten Zwischenberichte fort, die sich mit den Amtszeiten der Bischöfe Bernhard Stein (1967-1980) und Hermann Josef Spital (1981-2001) auseinandersetzen.
Erneut erfasst der Bericht das Ausmaß des Hellfeldes von Missbrauchstaten an Kindern und Jugendlichen, analysiert den Umgang der Verantwortlichen im Bistum mit Betroffenen und Beschuldigten und die Verantwortung der beiden Ortsbischöfe Marx und Ackermann.
This dissertation examines the uneven production of spaces for tar sands extraction, production, transportation, and consumption in Canada. Combining research on energy geographies, fossil capitalism and settler colonialism, this work conceptualizes these spaces as the physical sites and multi-scalar decision-making arenas in and through which tar sands development is realized, governed and disputed. In recent decades, tar sands expansion has led to conflicts between the Canadian state, the fossil fuel industry and Indigenous communities over the unequal distribution of its benefits, costs and risks. Despite a large body of literature on these conflicts, little theorization of their spatial dimensions has taken place. Using the concept of energyscapes here elucidates how multiple actors articulate and mobilize competing discursive-material practices (e.g., discourses, knowledge claims, future visions) to (re)shape tar sands spaces. A qualitative methodology was employed, encompassing critical discourse analysis, participant observation, and informal interviews, to examine these conflicting discursive-material practices. In particular, this dissertation argues that the appropriation of Indigenous peoples’ lands and their discursive representation as empty, unproductive sites are key forces driving the spatial expansion of tar sands operations, particularly of fossil fuel infrastructures. Simultaneously, this research states that Indigenous-led movements play a fundamental role in challenging the spatial arrangements of power that sustain tar sands development. A focus on the dispute between the Canadian state and an Indigenous-led movement over the Trans Mountain pipeline expansion project (TMX) in Alberta and British Columbia (BC) exemplifies how these actors transform the physical spaces and decision-making areas through which the TMX is governed. An analysis of this case has broader implications for understanding the possibilities and limitations of dismantling the power structures underpinning tar sands spaces and building alternative energy futures.
Die Texte stehen in Zusammenhang mit den römischen Bauten, mit berühmten Persönlichkeiten, mit den Bewohnern der Gegend und mit der Geschichte der Stadt selbst. Es sind verschiedene Textgattungen vertreten. Das Weiterleben der lateinischen Sprache über die Antike hinaus ins Mittelalter bis in die Neuzeit wird deutlich.
International sanctions have become an increasingly prominent instrument of foreign policy, yet their political, institutional, and societal consequences remain complex and often extend beyond their stated objectives. This dissertation contributes to the literature on international sanctions by examining their effects across five distinct but interconnected dimensions. The five studies investigate how sanctions affect emigration, coups d’état, interactions between political leaders, public-sector corruption, and governments’ compliance with their national constitutions.
The dissertation yields several key findings. First, Western multilateral and United Nations sanctions increase emigration from targeted countries, particularly where freedom of expression is restricted, suggesting that exit can serve as an alternative response when opportunities for political voice are limited. Second, Western sanctions increase the probability of coups d’état, especially successful coups in non-democratic regimes and during the post-Cold War period. Third, greater similarity between political leaders substantially reduces the likelihood of sanction imposition, particularly for unilateral sanctions, demonstrating that interpersonal characteristics shape the use of economic coercion. Fourth, Western and UN sanctions are associated with temporary reductions in public-sector corruption in democratic target countries, with particularly pronounced effects when sanctions pursue democratization or human rights objectives. Finally, sanctions have opposing effects on constitutional compliance across political regimes. While sanctioned democracies tend to improve their adherence to constitutional rules, sanctioned autocracies become less compliant.
Taken together, the findings demonstrate that the consequences of international sanctions depend critically on the political and institutional characteristics of targeted states, the actors imposing sanctions, and the design and objectives of sanction regimes. Sanctions can induce behavioral and institutional change, but they can also generate unintended consequences, including emigration and political destabilization. By integrating insights from international economics, political economy, and international relations, this dissertation advances a more differentiated understanding of sanctions as a foreign-policy instrument and highlights the importance of accounting for heterogeneous responses when assessing their effectiveness and broader consequences.
Diese Arbeit untersucht, ob und unter welchen Bedingungen diachroner semantischer Wandel als Signal in den kontextualisierten Tokenrepräsentationen
vortrainierter Sprachmodelle nachweisbar ist. Ausgangspunkt ist die theoretische Konvergenz der Distributionalhypothese mit der Architektur moderner
Transformer-Modelle: da kontextualisierte Embeddings distributional definierte
Bedeutung operationalisieren, könnten sie latent kodieren, was die Bedeutungsgeschichte eines Wortes hinterlässt. Drei Beiträge werden geleistet: Erstens
wird der AmDi-Datensatz vorgestellt, ein sense-annotiertes, multi-temporales
Korpus polysemer deutschen Nomen mit 22.230 annotierten Instanzen, verankert im GermaNet-Inventar. Zweitens werden zwei Trainingsstrategien zur
Verstärkung des temporalen Signals evaluiert: Multitask-Instruction-Tuning
scheitert daran, diachrones Signal uuverlässig von überlagernden Signalen zu
trennen; kontrastives Lernen mit temporal gewichteter Verlustfunktion gelingt
dies auf Lemmaebene und erzielt messbar höhere Signal-Rausch-Verhältnisse.
Drittens wird ein Messrahmen entwickelt, der semantischen Drift nicht als
skalare Distanz zwischen mittleren Embeddings erfasst, sondern als Verteilung
dimensionaler Veränderungen im Einbettungsraum. Diese Verteilungsmetriken
korrelieren zuverlässiger mit goldstandard-basierten Bedeutungswandelurteilen
als Kosinus-basierte Baseline-Maße. Die Arbeit diskutiert zudem die epistemologischen Grenzen des Ansatzes: Muster in Modellrepräsentationen erlauben
keine direkten Rückschlüsse auf natürlichen Sprachwandel; der Erkenntnisgewinn liegt vielmehr darin, zu verstehen, welche sprachlichen Signale Modelle
enkodieren und wie diese nutzbar gemacht werden können.
We consider irreversible investment problems where an agent decides if and when to
invest in a project which generates a perpetual flow of profits after paying some investment
cost. The agent observes the profits which follow a geometric Brownian motion
with possibly time-dependent drift. Moreover, she discounts future profits as well as the
investment cost. In the classical model introduced by Dixit and Pindyck (1994, Chapter
6, Section 1), the drift is constant and known to the agent. Even though this assumption
is convenient for their analysis, it is generally unrealistic. In this thesis, we consider three
variants of the classical model which turn out to be two-dimensional optimal stopping
problems: Unknown drift, a jump of the drift at a fixed time, and a jump of the drift at
an exponentially distributed time.
For all variants, the optimal investment decision only depends on the current profits
and the current state of the respective additional feature, which is either the current
updated belief on the true state of the drift, the remaining time until the drift jumps,
or the current state of the drift. Precisely, we characterize the optimal stopping time
by a continuous and monotonic boundary function mapping the state of the additional
feature on the minimal stopping trigger for the profit process. To achieve these results
and to derive the boundary function, we employ the following two approaches:
For unknown drift and a jump of the drift at a fixed time, we compute the boundary function
numerically by a nonlinear integral equation. This approach requires establishing
several properties of the boundary function and the value function such as monotonicity
and continuity. Since the agent’s payoff not only depends on the current state of the
profit process but also on the state of the additional feature, many standard arguments
to derive these properties are not applicable. Instead, our proofs build on a method to
connect the value functions for different initial profit levels and initial states of the additional feature. Based on this, we show that the value function solves the associated free
boundary problem. Next, we derive a nonlinear integral equation whose unique solution
is the boundary function. Utilizing this, we compute the boundary function numerically
via a fixed-point iteration in combination with a Monte-Carlo method.
For a jump of the drift at an exponentially distributed time and in a special case for
unknown drift, we determine the boundary function by a nonlinear equation which, for
the latter variant, even yields an analytical expression. We reduce both problems to
a family of parameterized one-dimensional optimal stopping problems whose optimal thresholds characterize the boundary function. For each sub-problem, we solve the
associated free boundary problem and verify that its solution corresponds to the value
function. This way, we establish a nonlinear equation for the threshold.
Additionally, we numerically analyze the influence of parameter variation on the optimal
investment behavior for every variant. Particularly, we analyze the value of information
in the case of unknown drift and, for the same expected jump time, compare the models
whose drift jumps at a fixed or an exponentially distributed time.
Wie wurden die Normen des ehrlichen Steuerzahlens in unterschiedlichen Gesell-schaften ausgehandelt, und wie veränderten sie sich im Laufe der Zeit? Diesen Fragen geht das Projekt vergleichend anhand von drei unterschiedlichen Typen von Steuerstaaten nach (Wagschal 2005), nämlich Spanien, den USA und Westdeutschland zwischen den 1940er und 1980er Jahren. Als Quellen werden z.B. wissenschaftliche Publikationen der Steuermoralforschung, Material der tax education (Plakate, Filme), Medienberichterstattung, politische Debatten in Parlamenten, Parteiprogramme und Stellungnahmen von Kirchenvertretern her-angezogen. Als methodische Herangehensweise wird ein diskursanalytischer Zugang gewählt, um unterschiedlich Interessen und Machkonstellationen zu fokussieren. Die Diskurse ums Steuerzahlen dienen als Sonde in Aushandlungsprozesse gesellschaftlicher Lastenverteilung.
Schon die Definition des Begriffs „Steuermoral“ war keineswegs einheitlich: Verschiedene Forscher seit den 1950er Jahren nutzten zur Messung die Selbsteinschätzungen von Steuerzahler*innen, ihre moralische Beurteilung von Hinterziehungsfällen, oder sie rechneten die von der Steuerfahndung aufgedeckten Betrugsfälle hoch. Die verschiedene Messmethoden erzeugten unterschiedliche Ergebnisse, die in die politischen Diskurse eingespeist wurden. Auch die Finanzverwaltungen agierten unterschiedlich: Während sich die Finanzverwaltung in den USA (IRS) schon seit 1941 um eine aufwendige, multimediale Erziehung der Steuerzahler*innen bemühte, indem sie über Verwendungszwecke informierte und das System legitimierte, wurde dieser Ansatz in der Bundesrepublik kaum verfolgt. Im francistischen Spanien sind Ansätze der tax education nachweisbar, die nach dem Übergang zur Demokratie ab 1975 umfassend ausgebaut wurden.
Der Vergleich von Steuerskandalen macht ebenfalls Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar. Während z.B. in Bayern die Finanzverwaltung im Auftrag der Politik solche Norm-verletzungen oft zu vertuschen versuchte, trugen die spanischen Behörden bewusst zur Skandalisierung bei, um exempla zu statuieren. Waren Firmen betroffen, so wurden in den Skandalen Handlungsspielräume und Abhängigkeiten zwischen Wirtschaft und Staat ausge-handelt; Personalisierte Steuerskandale betrafen oft Repräsentant*innen bestimmter Gruppen, z.B. der African Americans in den USA oder der alten Franco-Eliten in Spanien. Ausgehandelt wurde, für wen die Normen des (ehrlichen) Steuerzahlens galten – eine Frage, die sehr eng mit dem Verständnis von Demokratie, Gleichheit und Staatsbürger*innenschaft verknüpft war.
Wie viele retrodigitalisierte historische Wörterbücher sind auch die deutschsprachigen Dialektwörterbücher weitgehend isoliert voneinander und unverbunden im Web publiziert, obwohl sie ein großes Vernetzungspotential aufweisen. Als geeignete Plattform für die Verlinkung lexikalischer Ressourcen gilt das Linked Open Data (LOD) Paradigma. Die Abbildung von Semantik erfolgt hier nach dem Prinzip semantics by reference über die Verknüpfung der Lemmata mit einem ontologischen Konzept. Allerdings wurden bislang kaum retrodigitalisierte Wörterbücher als LOD aufbereitet, was insbesondere auf das Fehlen von überzeugenden automatisierten Methoden zur lexikalisch-semantischen Vernetzung zurückzuführen ist.
Am Beispiel der westmitteldeutschen Dialektwörterbücher sowie dem semantischen Feld Trinken erprobt die vorliegende Arbeit drei unterschiedliche Methoden für die Durchführung einer automatisierten Verknüpfung von Lemma-Bedeutungs-Paaren und Konzepten: (1) einen Ansatz, basierend auf einem ausdrucksseitigen Abgleich von Zeichenketten, (2) die Verwendung von Embeddings nach Finetuning des Sprachmodells ModernGBERT und (3) die Nutzung des LLMs Llama 3.3. Die Datenbasis für die Vernetzung und deren Evaluation wird durch ein Korpus mit Goldstandard-Annotation bereitgestellt. Ein projektspezifisches kontrolliertes Vokabular definiert die Konzepte, welche als Referenzebene der Verknüpfung sowie Schnittstelle zum Semantic Web fungieren.
Die beste Gesamtperformance erreicht die auf ModernGBERT basierende Methode: Sie klassifiziert 97% der Einträge korrekt ins semantische Feld, erreicht 94,55% Genauigkeit bei den generischen Wurzelkonzepten, 88,56% bei den Basiskonzepten und ordnet konkrete Konzeptbegriffe zu 91,78% korrekt zu (Top-3-Vorhersagen). Die Qualität der erzielten Ergebnisse eignet sich bereits ohne Nachbearbeitung zum Einsatz für eine konzeptbasierte Suche oder zur Exploration eines Wortfeldes. Für Kontexte, in denen eine möglichst fehlerlose Vernetzung notwendig ist, etwa im Semantic Web, bieten die erzeugten Konzeptverknüpfungen eine gute Grundlage für einen nachgelagerten Korrekturdurchgang.
Somit konnte eine praktikable Lösung für eine automatisierte semantische Vernetzung von Wörterbuchartikeln erarbeitet werden. Es eröffnet sich damit die Perspektive, lexikographische Daten – insbesondere solche aus vordigitaler Ära – als LOD miteinander zu vernetzen, wodurch diese einen onomasiologischen Zugang erhalten und sich neue Anwendungs- und Suchmöglichkeiten eröffnen.
Antisemitismus als leidenschaftliche Welt(um-)deutung findet nicht erst seit dem 7. Oktober 2023 über den Kreis der „üblichen Verdächtigen“ im Rechtsextremismus hinaus Anklang. Der Band zeigt die Persistenz, Wandelbarkeit und globale Verbreitung judenfeindlicher Vorstellungen und Äußerungsformen auf und verfolgt sie von der Antike bis in die Telegram-Chats, Universitätshörsäle und Demonstrationen der Gegenwart.
Der interdisziplinär ausgerichtete Band versammelt antisemitismuskritische Studien junger Antisemitismusforscher*innen, die neue Schlaglichter auf die Akteur*innen, sich wandelnden Kommunikationsmodi und milieu- und kontextabhängigen Spezifika eines zunehmend global vernetzten antisemitischen Diskurses werfen. Über die offenen Erscheinungsformen judenfeindlicher Ressentiments hinaus verweist er auf die Virulenz latenter, halb- und unbewusst tradierter sowie bewusst codierter Vorstellungen über „die Juden“, „das Jüdische“ oder den jüdischen Staat Israel. Letzterer ist nicht erst seit, aber gegenwärtig wieder verstärkt infolge des Hamas-Pogroms vom 7. Oktober 2023 Gegenstand antisemitischer Agitationen, wobei gefühlte Wahrheiten über den Staat und den arabisch-israelischen Konflikt den öffentlichen Diskurs prägen. Die Analysen des Bandes stellen die Gemeinsamkeiten dieser Vorstellungen und Äußerungen heraus, in denen „die Juden“ oder Israel als Projektionsflächen für die Ängste und Wünsche der antisemitisch denkenden Subjekte dienen, und verweisen auf die Notwendigkeit einer kritischen und hörbaren Antisemitismusforschung nach der Zäsur des 7. Oktober.
Politischer Journalismus
(2026)
Der Band bietet vielfältige Forschungsperspektiven auf politischen Journalismus und seine Berichterstattung. Die Beiträge zeigen unterschiedliche methodische Zugänge für die Analyse. Die Muster des politischen Journalismus werden überwiegend in einem hybriden und digitalen Medienkontext skizziert. Ein Schwerpunkt liegt direkt auf Journalistinnen und Journalisten in den sozialen Medien. Mehrere Beiträge beleuchten Vermittlungskonstellationen und liefern Hinweise zu Veränderungen im Verhältnis zur Politik und zum Publikum. Der Band richtet sich an Forschende, Lehrende und Studierende im Bereich der Journalismusforschung und in der politischen Kommunikationsforschung.
Ländliche Utopien
(2024)
Sterbende Dörfer, Verödung und Niedergang: In Wissenschaft und Medien stehen ländliche Räume häufig für Orte des Mangels und der Benachteiligung. Zugleich bringen utopisch anmutende Vorstellungen und Bilder des Lebens auf dem Land so viel Glanz mit sich, dass sie in Werbung und Kultur sowie in den Wünschen und Orientierungen vieler Menschen Anklang finden. Die Beiträger*innen gehen aus unterschiedlichen Perspektiven diesem utopischen Glanz nach. Sie fragen, inwiefern »Utopien des Ländlichen« ein Zugang sein können, um Vorstellungen eines gelingenden gesellschaftlichen Zusammenlebens zu entwickeln und zu erproben – und welche konkreten Forderungen für die Regionalentwicklung und -politik damit verbunden sind.
C’est la participation des citoyen·ne·s engagé·e·s qui fait vivre la démocratie. À cette fin, il est nécessaire de familiariser le plus tôt possible les enfants et les adolescent·e·s aux méthodes démocratiques. Le conseil de coopération est un outil d’éducation à la démocratie qui o!re aux élèves de nombreuses possibilités pour expérimenter la participation et renforcer leurs compétences démocratiques.
Faut-il interdire les emballages en plastique ? Quels arguments s’opposent au droit de vote à partir de 14 ans? Quelles sont les conséquences du Brexit sur l’Europe ? – Ce type de questions a toute sa place en conseil de coopération, car leur discussion o!re des possibilités d’apprentissage des processus démocratiques.
Sollten Plastikverpackungen verboten werden? Was spricht gegen eine Wahlberechtigung ab 14 Jahren? Wie sollte die EU mit möglichen Auswirkungen des Brexits umgehen? – Auch solche Fragen haben im Klassenrat ihre Berechtigung, denn ihre Diskussion bietet besondere Chancen für demokratische Lernprozesse.